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#02: Kunst hoch Schule – Kooperationsprojekte der Muthesius Kunsthochschule mit Schulen in Schleswig-Holstein

13.01.2014
Foto: Friederike Rückert
Foto: Friederike Rückert

Im Jahr 2010 wurde das Projekt „Kunst hoch Schule“ an der Muthesius Kunsthochschule Kiel initiiert. Ziel des Projektes ist es, Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften eine vertiefende künstlerische Arbeit im Schulalltag zu bieten und ihnen zugleich Einblick in die Arbeitsweisen an einer Kunsthochschule zu gewähren. Damit soll die Stellung des Faches Kunst in Schulen gestärkt und der künstlerische Nachwuchs gefördert werden. Während einer Pilotmaßnahme wurden in den Schuljahren 2010/11 und 2011/12 acht einwöchige künstlerische Workshops umgesetzt, inzwischen sind es insgesamt vierzig.

Um qualitativ hochwertige Workshops anbieten zu können, wird jährlich eine Ausschreibung durchgeführt. Auf diese hin bewerben sich Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Berufe (z. B. Kommunikations-, Interieur- und Industriedesigner, Architekten, Filmemacher, Fotografen und Freie Künstler) mit konkreten Workshopvorschlägen bei der Kunsthochschule. Alle Interessierten haben die Auflage, die künstlerische Arbeit ausgehend von einem besonderen außerschulischen Ort zu initiieren. Eine Jury wählt aus den Workshopvorschlägen geeignete aus. Im zweiten Schritt werden Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer aus Schleswig-Holstein dazu eingeladen, sich für einen Workshop zu bewerben. Die Jury wird erneut eingesetzt um zu entscheiden, welche Workshops letztlich mit welchen Schulen realisiert werden.

In den Workshops initiieren die Künstlerinnen und Künstler intensive künstlerische Forschungs- und Arbeitsprozesse und zeigen zudem das Potenzial des jeweiligen Berufsfeldes auf. Dafür können die Workshopleiterinnen und -leiter (fast alle sind Absolventen der Muthesius Kunsthochschule oder stehen in engem Kontakt zu dieser) auf Kenntnisse und Einrichtungen in Bereichen der Kunsthochschule zurückgreifen, die an Schulen in der Regel nicht vorhanden sind (z.B. Design, Film, Performance, Rauminstallation). Professorinnen und Professoren fungieren als Mentoren für die Workshopleiterinnen und -leiter. Studentische Hilfskräfte assistieren den Künstlerinnen und Künstlern bei der Umsetzung der Workshops, zum Beispiel unterstützen Sie bei technischen Fragen oder bei der Gestaltung von Plakaten und Einladungskarten für die Abschlusspräsentation. So wird den Schulen Fachwissen aus der Kunsthochschule „aus erster Hand“ zur Verfügung gestellt und damit auch ein Einblick in die Kunsthochschule und deren Lehre gewährt.

Für die Themen und die Realisation der Workshops ist ein expliziter Ortsbezug mit einer öffentlichen Präsentation der Workshop-Ergebnisse vor Ort auf lokaler Ebene erwünscht, um die gesellschaftliche Resonanz auf das ästhetische Engagement der Schülerinnen und Schüler zu stärken und dazu zu verhelfen, das Potenzial ästhetischer Bildung in die lokale Gesellschaft hinein zu vermitteln. Damit es zu intensiven künstlerisch-forschenden Lernprozessen kommen kann, bedarf es aber auch eines anderen Zeitrahmens als des üblichen 90-Minuten-Taktes. Deswegen ist es eine Grundbedingung des Projektes „Kunst hoch Schule“, dass die Lerngruppe und die betreuende Lehrkraft für die gesamte Dauer des Workshops vom regulären Unterricht freigestellt wird. Zur Qualitätssicherung werden alle Workshops von der Projektleitung oder einer anderen Person aus der Kunsthochschule oder den am Projekt beteiligten Institutionen besucht. Die Workshops werden außerdem mit vorgegebenen Evaluationsverfahren überprüft.

Finanziert wird „Kunst hoch Schule“ vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein, vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, von der Muthesius Kunsthochschule, dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und dem BDK Landesverband Schleswig-Holstein e. V. Unterstützung erfährt das Projekt aber auch von lokalen Partnern, wie zum Beispiel vom Kulturamt der Landeshauptstadt Kiel oder anderen Förderern.

Der Erfolg der Workshops in den Jahren 2010 und 2011 ermutigte dazu, ab 2012 viele verschiedene Schularten (z. B. auch Berufliche Schulen) und verschiedene Altersstufen (ab Sekundarstufe I) – auch im ländlichen Raum – zu berücksichtigen. Auch wurden bevorzugt Workshops ausgewählt, die sich über die künstlerische Arbeit hinaus historischen, politischen, gesellschaftlichen oder sozialen Themen widmen (wie der hier vorgestellte Workshop StadtRaumZeit im Lessingbad).

Ergänzend zu den Workshops, finden im Rahmen von „Kunst hoch Schule“ inzwischen verstärkt Lehrer- und Künstlerfortbildungen in der Muthesius Kunsthochschule statt. Die Angebote werden aus den Workshops heraus generiert und in Kooperation und Rücksprache mit dem BDK Landesverband Schleswig-Holstein e. V. und dem IQSH angeboten.

Im Oktober 2013 fand außerdem zum zweiten Mal das zweitägige Förderseminar Sprungbrett zur Kunsthochschule des BDK SH in der Muthesius Kunsthochschule statt. Fünfzehn ausgewählte Schülerinnen und Schüler Schleswig-Holsteins arbeiteten angeleitet von Dozenten der Kunsthochschule intensiv künstlerisch, besuchten die Kunsthochschule und eine Ausstellung und wurden umfassend über die Studienmöglichkeiten informiert.

Das Projekt „Kunst hoch Schule“ bemüht sich in besonderer Weise um die Vernetzung der Institutionen, die mit der ästhetischen Bildung an Schulen befasst sind: Schulen (Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Eltern), Ministerien, Stadt- und Kreisverwaltungen, Hochschulen (Muthesius Kunsthochschule, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel), IQSH und den BDK Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Weitere Informationen zu „Kunst hoch Schule“ finden Sie hier. Ausschreibungsunterlagen für Künstlerinnen und Künstler können hier abgerufen werden (Einsendeschluss ist der 31.01.2014 ). 

Workshopbeispiel: StadtRaumZeit im Lessingbad

Ausgangspunkt und Arbeitsbereich des Projektes war das 1936 von Rudolf Schroeder geplante Lessingbad in Kiel. Das Gebäude steht seit langem unter Denkmalschutz und wird seit 2008 nicht mehr als städtisches Bad betrieben. Da die Teilnehmer in der Mehrzahl das Stadtteilbad noch aus Zeiten der Nutzung kannten, war das Interesse an den nichtöffentlichen Räumen des Gebäudes sofort groß und die Schülerinnen und Schüler fanden rasch eigene Anknüpfungspunkte und geeignete Orte für künstlerische Interventionen im Raum. Schon der erste Blick durch die „Bullaugen“ ins große Becken ermöglichte völlig neue Perspektiven und im Technikkeller wurden die Dimensionen der Tanks und Rohre bestaunt. Die ehemaligen Hausmeisterräume und Gänge im Volksbad inspirierten zu gruseligen Geschichten. Eine Schülerin formulierte dies in ihrem Arbeitsprozessbericht so: „Es ist nicht lange her gewesen, seit ich das letzte Mal in der Lessinghalle gesessen habe und im großen Becken geschwommen bin, das nun leer und vollkommen kalt vor uns liegt; und es wirkt beinahe so, als würde es aus letzter eigener Kraft darum bitten, dass man einen Nutzen an ihm findet.“  In kürzester Zeit waren die Teilnehmer ausgeschwärmt und mehrere Tage lang völlig eingetaucht in ihre eigene künstlerische Arbeit. Während im Schwimmerbecken noch die Reste der Kerzennacht zusammengefegt wurden, fand im Keller darunter schon die Fotosession mit einer Ballerina statt. Andere Schülerinnen und Schüler schnitten Videos in der Kunsthochschule oder fertigten aufwändige Scherenschnitte der Pflanzen in den Innenhöfen an. Der Präsentation aller Arbeiten am letzten Workshoptag folgte dann eine öffentliche Ausstellung im Lessingbad. Die Schülerinnen und Schüler bewerteten die Workshopwoche z. B. so: „Ich habe angefangen, zu verstehen, und gelernt, was es heißt, unter diesen Umständen zu arbeiten, mit enormen Zeitdruck umzugehen, effektiv zu arbeiten und gemeinsame Besprechungen ernst zu nehmen.“ schreibt beispielsweiseJulia K. Lena schreibt als Fazit: „Erfahrungen sammeln, im Team arbeiten, mit Kritik umgehen, die kleinen Dinge im Leben wertschätzen, richtig Photos/Filme machen, Kunst verstehen, auf etwas stolz sein. Dies sind alles Dinge, die wir durch dieses Projekt lernen, erfahren oder einfach machen konnten[...]. Vielen Dank.“

Friederike Rückert

Hier erfahren Sie mehr über das Projekt der Woche.

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Enthalten in

Region: Schleswig-Holstein | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |