Kultur bildet.

Das Portal für kulturelle Bildung.

#109: Un-Label

29.02.2016
Foto: Meyer Originals

Neue inklusive Wege für die darstellenden Künste

„Die enge Zusammenarbeit mit Künstlern mit einer Behinderung hat mir neuen kreativen Input gegeben.“

„Ich war sehr fasziniert von der Entwicklung in der Gruppe und dem Abbau von Hemmschwellen.“

Beim internationalen Kulturprojekt Un-Label befassen sich rund 100 Künstler*innen mit und ohne Behinderung aus ganz Europa über einen Zeitraum von zwei Jahren mit neuen inklusiven und innovativen Möglichkeiten der darstellenden Künste. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen verschiedener Workshops, einer Künstlerresidenz und einer großen multidisziplinären Tanztheaterproduktion, die als nationales und internationales Gastspiel auf bekannten Festivals präsentiert wird. Teil des Projektes sind zusätzlich internationale Symposien und neue Audiance Development Methoden, in Form von Text- und Audiobeschreibungen, mit dem Ziel, auch gehörlose und sehbehinderte Menschen an allen Veranstaltungen teilnehmen lassen zu können.

Un-Label bedeutet „nicht abstempeln“ und wendet sich an Menschen, die in unserer europäischen Gesellschaft oft negativ gezeichnet werden. Hierzu will das Kulturprojekt einen Gegenpol schaffen. Das vielfältige kreative Potential aller Beteiligten wird sichtbar gemacht und es wird gezeigt, wie Menschen in künstlerischen Produktionen und Aktivitäten zusammenkommen und miteinander auf professioneller Ebene arbeiten können. Un-Label ist ein Kooperationsprojekt mit Partnern aus England, Griechenland, der Türkei und Deutschland.

Ziel von Un-Label ist…

  • … alle Arten von Barrieren zu reduzieren und damit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung im kulturellen Bereich der Gesellschaft zu realisieren. Kulturelle Vielfalt in den darstellenden Künsten, als entscheidender Faktor für ein gelingendes Zusammenleben in Europa, steht hierbei im Mittelpunkt.
  • … die Weiterentwicklung der künstlerischen Fähigkeiten, sowie die grenzüberschreitende Mobilität und Internationalisierung von Künstler*innen mit und ohne Behinderung zu unterstützen und ihnen einen Zugang zu professionellen Beschäftigungspraktiken zu bieten.
  • … das Bewusstsein des Publikums bezüglich der grundsätzlichen Bedeutung des Anderssein zu schärfen. Wir können nur wir selbst sein, weil wir anders sind!
  • … der Aufbau eines europäischen Netzwerkes, in dem innovative Wege der Zusammenarbeit und neue Methoden erprobt und gefestigt werden können.

Die Umsetzung

Un-Label Workshops:

Im bisherigen Projektverlauf hat Un-Label europaweit interdisziplinäre Workshops für Künstler mit und ohne Behinderung durchgeführt. Die in Deutschland, der Türkei und Griechenland stattfindenden Workshops, wurden von einer internationalen mixed-abled Künstlergruppe durchgeführt, die sich im Jahr 2014 durch die inklusive multidisziplinäre Tanztheaterproduktion „Verflüchtigung – Can there be Identity without otherness?“ zusammengefunden hat (www.verfluechtigung.eu).

Die 9köpige Künstlergruppe kam zuvor in einem 5tägigen Trainingsseminar in Köln zusammen, um gemeinsam mit dem künstlerischen Leitungsteam das Konzept und die Methodik für die inklusiven Workshops aus den verschiedenen künstlerischen Disziplinen zu erarbeiten. Durch das Seminar wurden die Künstler*innen angeleitet und befähigt, in dem darauf folgenden Prozess des Projektes selbstständig die Workshops für andere Künstler im In- und Ausland durchzuführen.

In den Workshops zeigten die Coaches über eine genreübergreifende Mischung, wie verschiedene künstlerische Methoden aus dem Bereich der darstellenden Kunst in der inklusiven Praxis zum Einsatz kommen. Gemeinsam wurden neue Wege des künstlerischen Ausdrucks erarbeitet.

Un-Label Produktion:

Nach Abschluss der Workshops wurde aus allen 100 teilnehmenden Künstler*innen das Ensemble für die kommende Produktion zusammengestellt. Die Ergebnisse der Workshops fließen dann in die einmonatige Künstlerresidenz ein, die ab dem 14. April 2016 in Köln stattfinden wird. In der Residenz erarbeitet die mixed-abled Kompanie, bestehend aus 16 internationalen Künstler*innen aus Belgien, Brasilien, Tschechischen, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Schweden, Türkei und Großbritannien, eine multidisziplinäre Tanztheaterproduktion, die eine Antwort auf die Frage sucht „Do I need Labels to Love?“

Die Inszenierung L by Un-Label spiegelt mit ihren genreübergreifenden Kunstformen Tanz, Schauspiel, Akrobatik, Musik, Videokunst- und Poetry die Vielfältigkeit der beteiligten Künstler*innen wieder. Mit den anschließenden Aufführungen auf international bekannten Festivals in Deutschland, der Türkei und in Griechenland wird ein breites Publikum erreicht, so dass eine Auseinandersetzung mit den Themen Anderssein und Inklusion in den darstellenden Künsten auf einer internationalen gesellschaftlichen Ebene stattfinden wird.

Datum der Premiere im Rahmen des Sommerblut Kulturfestivals in Köln:

  • Premiere: 12.05.16
    Weitere Termine 13. bis 15.05.2016
  • Zeit: 12.05. – 15.05. 20:00 Uhr am 14.05. & 15.05. 16:00 Uhr
  • Ort: Kölner Künstler Theater, Grüner Weg 5, 50825 Köln-Ehrenfeld
  • Eintritt: VVK /AK 16 (ERM 10) Euro

Die Vorstellungen werden durch Audio- und Textdeskription für Sehbeeinträchtigte und gehörlose Zuschauer*innen zugänglich gemacht.

Un-Label Symposien:

Teil des Projektes sind außerdem Symposien, die in jedem Land  durchgeführt werden und in denen Künstler*innen, Kulturakteure, Wissenschaft und Politik zusammengeführt werden. Im Rahmen der Symposien wird es einen intensiven Austausch geben mit dem Ziel, inklusive Ansätze, Methoden, politische und gesellschaftliche Dimension sowie praktizierte Diversity-Ansätze in den verschiedenen europäischen Ländern kennenzulernen und zu diskutieren.

ALL IN: Qualität und Öffnung von Kulturarbeit durch Inklusion

Am 03. - 04.05.2016 findet in Köln das großes internationale Symposium statt. Das Symposium geht den Fragen nach, wie Inklusion in der kulturellen Praxis qualitätvoll gestaltet werden kann und wie Kultureinrichtungen und Akteure sich für diese Vielfalt von Fähigkeiten öffnen können.

Das Symposium ist eine gemeinsame Veranstaltung von Un-Label, ibk e.V., intakt e.V und dem Sommerblut Kulturfestival e.V.

Programm und Anmeldung des Symposiums finden Sie hier.

Un-Label Evaluation und Best Practise:

Alle Projektelemente werden am Ende mit einer Zusammenstellung von inklusiven Projekt-Beispielen aus ganz Europa in einer Broschüre veröffentlicht. Zusätzlich unterstützt die TH Köln das Projekt durch eine umfassende wissenschaftliche Begleitung.

Un-Label geht weiter:

Das Projekt ist darauf angelegt, über das zeitliche Projektende hinauszuwirken. Nach Ablauf der Projektlaufzeit ist zum einen geplant, das Konzept der inklusiven Workshops auf andere Zielgruppen auszuweiten. Außerdem soll mit der aus dem Projekt entstandenen Kompanie weitergearbeitet werden. Die erarbeiteten Audiance Development Methoden sollen darüber hinaus in der Kulturlandschaft verbreitet werden. 

Un-Label wird durchgeführt vom Verein der Freunde und Förderer des Sommertheaters Pusteblume e.V. Der Kölner Verein ist seit Jahren erfolgreich im Bereich der Kultur-Förderung für Menschen mit und ohne Behinderung tätig.

  • Leitung und Konzept: Lisette Reuter
  • Regie und Konzept: Costas Lamproulis

Die Partner im Projekt: Candoco Dance Company (London/ England), Synergy of Music Theatre (Larissa/ Griechenland), SKYGD (Istanbul / Türkei), Technische Hochschule Köln (Köln/ Deutschland)

Weitere Informatioenn erhalten Sie hier sowie auf der Facebook-Seite des Projektes.

Kontakt

  • Sommertheater Pusteblume e.V.
    Lisette Reuter
    Hosterstr. 1-5
    50825 Köln
    +49 179 47 18 979
    info@un-label.eu

Das Projekt wird gefördert vom EU Programm Creative Europe, der Aktion Mensch, der Kämpgen Stiftung und vielen weiteren nationalen und internationalen Unterstützer*innen.

Foto: Vicky Papaggeli
Enthalten in

Region: International | Sparte: Tanz, Theater | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |