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#11: 10 Jahre QuerKlang – Experimentelles Komponieren in der Schule

17.03.2014
Im Rahmen eines viertägigen Einführungsseminars setzen sich Komponist/innen, Studierende und Lehrer/innen mit verschiedenen Materialien und Ansätzen experimenteller Musik und Komposition auseinander. / Foto: Sven Ratzel

„QuerKlang“ bringt Schüler/innen aus Berliner Schulen und deren Lehrer/innen mit zeitgenössischen Komponisten und Studierenden der Universität der Künste Berlin zusammen und schafft den Rahmen, den Raum und die Zeit, gemeinsam Klänge zu erforschen und eine Komposition zu erarbeiten. Das Ergebnis ist individuell und vielfältig. Mitunter auch etwas quer. Doch jedes der bisher entstandenen 54 Werke ist von einer eigenen Ästhetik geprägt. Inspirationen sammeln die Schüler/innen durch die Arbeit mit ihrem jeweiligen begleitenden Team. Die verschiedenen Ansätze der Komponist/innen, Arbeitsweisen der Lehrkräfte und Studierenden und nicht zuletzt eine Eigendynamik des ganzen Teams, eröffnen den Schüler/innen Zugänge zu experimentellen Klängen und neue Ansätze in dem Umgang mit ihnen. Geleitet von ihrer eigenen Kreativität komponieren sie im Klassenverband ein Stück, dass sie im Rahmen von „MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik“ selber uraufführen. In diesem Jahr werden erneut fünf Kollektiv-Kompositionen uraufgeführt, welche allesamt in den letzten 5 Monaten entstanden sind.

  • Do, den 20. März 2014 um 18.45 Uhr, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz / Sternfoyer: Schüler/innen der Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik, Prenzlauer Berg und der Alfred-Nobel-Schule, Neukölln führen ihre Kompositionen im Rahmen der Berliner Festspiele/MaerzMusik auf.
  • Fr, den 21. März 2014 um 18.30 Uhr, Konzerthaus Berlin / Werner-Otto-Saal: Schüler/innen des Paulsen-Gymnasiums in Steglitz, des Lily-Braun-Gymnasiums in Spandau und des Willi-Graf-Gymnasiums in Lichterfelde führen ihre Kompositionen im Rahmen der Berliner Festspiele/MaerzMusik auf.

Seit zehn Jahren bringen die Teams von „QuerKlang“ experimentelle Musik in die Schulen Berlins. In dieser Zeit haben schon viele Menschen unterschiedlicher Profession und quer zum Gewohnten im Rahmen des Projektes gemeinsam gelernt und sind an den gemeinsamen Erfahrungen gewachsen:

53 Musiklehrer/innen aus den unterschiedlichsten Bezirken und Schulformen Berlins, 84 Lehramsstudent/innen, die inzwischen zu einem großen Teil als Musiklehrer/innen arbeiten und nun auch aus einer neuen Perspektive an QuerKlang teilnehmen. 53 Komponist/innen, deren Verständnis, Arbeit und Umgang mit Musik vielfältiger kaum sein könnte. Last but not least zählt man noch 1.000 Schüler/innen unterschiedlichster Nationalitäten und Mentalitäten hinzu und man erhält einen Rückblick auf zehn Jahre „QuerKlang“. Insgesamt ergibt sich eine Summe von 1.200 Beteiligten, querbeet sozusagen. Was sich jedoch nicht anhand von Fakten darstellen lässt, sind die zahlreichen Erfahrungen und individuelle Erinnerungen durch und an das Projekt „QuerKlang“.

Irma, eine Studentin, fragte sich zu Beginn ihres Projektdurchlaufes:„Wie kann man einer Gruppe Schüler/innen, die sich im Normalfall noch nie mit experimenteller Musik auseinandergesetzt hat einen kreativen Zugang zu dieser Musikrichtung ermöglichen? Wie kann man sie zu eigenem kreativen Schaffen anregen ohne sie zu stark zu instruieren und vorzuprägen? Wie soll ein kreativer Prozess in einem von Richtlinien, Lehrplänen und Zeitfenstern geprägten Konstrukt wie Schule überhaupt entstehen und sich entfalten können?“

Es gibt keine endgültigen Antworten auf diese Fragen, aber eben solche Leitgedanken sind die pädagogische Motivation von „QuerKlang“. Es setzt sich intensiv mit den Prozessen auseinander, die für die Schaffung eines Rahmens nötig sind, der es allen Beteiligten ermöglicht, offen und kreativ zu denken. Die Schüler/innen arbeiten aktiv mit musikalischem Material und finden ihren eigenen Ausdruck. Die Teams aus Komponisten, Lehrenden und Studierenden fungieren dabei als Impulsgeber und Vermittler, immer auf der Gratwanderung zwischen Vorgabe und Freiheit im künstlerischen Prozess. Gemeinsam mit den Schüler/innen taucht „QuerKlang“ in unterschiedlichste musikalische Welten ein. Dort trifft die Vielfalt der zeitgenössischen Musik auf die Phantasie und das Ausdrucksvermögen der Kinder, welche sie viel zu oft zu unterdrücken lernen.

Aufgrund der intensiven Zusammenarbeit und gegenseitiger ästhetischer, pädagogischer, oder auch persönlicher Inspiration, wollen viele der Projektteilnehmer/innen auch nach erfolgreichem Projektabschluss weiter in Kontakt bleiben und entstandene Konzepte weiterentwickeln. Als Plattform hierfür dient NACHHALL: Es soll eine Art Labor für die Vermittlung experimenteller Musik entstehen, mit dem Ziel, den Austausch zwischen den „QuerKlang“-Teilnehmer/innen aktiv zu unterstützen. Neben der künstlerischen Arbeit in den Schulen spielt auch weiterhin die Reflexion und Auseinandersetzung innerhalb der Teams eine zentrale Rolle. „Das finde ich einfach schön, dass das möglich ist, diesen Horizont der Wahrnehmung so zu erweitern“, so ein teilnehmender Student.

Schulen können auf das „QuerKlang“-Netzwerk von Komponisten und Studierenden zugreifen und umgekehrt. Unterstützung in organisatorischen Fragen und auch in der Fördermittelakquisition wird weiterhin angeboten. Wichtig für den NACHHALL des Projektes ist es, dass alle zukünftig Beteiligten der Projektweiterführungen von „QuerKlang“ einen kompletten Durchlauf mitgestaltet haben und somit in der Lage sind, die künstlerischen und pädagogischen Besonderheiten des Projektes auch in Zukunft zu berücksichtigen. Hierfür bietet das Leitungsteam des Gesamtprojektes auch Beratung und Hilfestellungen an, die in Konsultationsterminen genutzt werden können.

Wir freuen uns und unterstützen es daher, wenn die Schulen die Projektansätze in ihr Portfolio der Musikvermittlung aufnehmen und so eine Nachhaltigkeit für das Projekt geschaffen wird. Kreatives Handeln und kompositorisches Schaffen zu erleben, ist ein großer Schritt im Lernprozess von Kindern und Jugendlichen und hat somit eine große Relevanz für deren weitere musikalische und künstlerische Wege. Wir hoffen durch „QuerKlang“ eine offene Haltung und Mut zum Experiment als Grundlage für Unterricht erfahrbar zu machen.

Anlässlich des Jubiläums findet aus diesem Grund ein Symposium unter dem Titel „QuerGänge – zwischen Kunst und experimenteller Didaktik“ statt. Ziel des Symposiums ist es, in Vorträgen, Gesprächen und Laboren diese Grenzen zu übertreten, Verbindungen zu schaffen zwischen wissenschaftlicher Reflexion und Hands-on-Praxiserfahrungen, um innovative Formen von Bildung und Kunstproduktion in der Schule zur Diskussion zu stellen.

Weitere Informationen bei k&k kultkom unter +49 30 78703350.

 

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Zu den bisherigen Projekten der Woche gelangen Sie hier.

Die Szenische Interpretation der eigenen Kompositionen nimmt für die Schüler/innen einen nicht unerheblichen Raum ein. / Foto: k&k kultkom
Enthalten in

Region: Berlin | Sparte: Musik | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |