Kultur bildet.

Das Portal für kulturelle Bildung.

#113: Frankfurt liest ein Buch

28.03.2016
Gerti Elias in einer Schülerausstellung der Heinrich-von-Kleist-Schule Eschborn. / Foto: Verein Frankfurt liest ein Buch e.V.

„Die Wechselwirkung zwischen einem Buch, seiner Geschichte und der lesenden Stadtgesellschaft – das ist es, was dieses einmalige Festival ausmacht.“ (hr-online)

Seit 2010 lesen jährlich zwei Wochen lang im März/April möglichst viele Menschen in Frankfurt am Main und näherer Umgebung ein bestimmtes Buch und sprechen und diskutieren auf Veranstaltungen darüber. „Frankfurt liest ein Buch“ wurde initiiert, konzipiert und wird seit 2010 ausgerichtet vom unmittelbar und ausschließlich gemeinnützig tätigen Verein „Frankfurt liest ein Buch e.V.“. Die Ziele des Vereins sind die Förderung der Bildung durch Vermehrung der Literaturkenntnisse, die Pflege und Förderung der Literatur, ihrer Darbietung, Vermittlung und Rezeption; die Förderung des Lesens in allen Bevölkerungskreisen, vorwiegend in der Stadt Frankfurt/M. und ihrem Umland im Rahmen einer institutionenübergreifenden, vernetzen, vielfältigen Kulturarbeit und mit großem bürgerschaftlichem Engagement. Mit insgesamt 74.000 Besucher*innen und rund 580 Veranstaltungen waren die bisherigen sechs Auflagen des Lesefestes ein überwältigender Erfolg.

Bei den Veranstaltungen werden das Thema des Buches sowie der oder die Autor*in selbst in den Mittelpunkt gerückt. Das Besondere an diesem Projekt: Buch und/oder Autor*in stehen in engem Bezug zur Stadt Frankfurt am Main. So trägt jede Leseaktion dazu bei, dass sich die Bürger*innen mit ihrer Stadt identifizieren, sie literarisch und historisch erkunden, neue Orte in der Stadt kennenlernen und persönliche literarische Entdeckungen machen. Dies ist nur durch die enge Zusammenarbeit mit jährlich rund 60 Kooperationspartnern (private Initiativen wie auch soziale und staatliche Einrichtungen, Kulturveranstalter, aber auch Schulen) möglich, die sich in Planung und Durchführung (zum Teil ehrenamtlich) engagieren. Nur auf diese Weise kann das Lesefest bei jährlich rund 70 bis 100 Veranstaltungen Menschen in der ganzen Stadt erreichen.

Die aktive Leseförderung, die Vernetzung von kulturellen Institutionen zu diesem Zweck und das Aufspüren literarischer Stadtbezüge zur sozio-regionalen Verankerung ist deutschlandweit auf viele Städte übertragbar und hat Modellcharakter. Alexander Cammann von der ZEIT schreibt über „Frankfurt liest ein Buch“, es sei „Deutschlands wunderbarstes und sinnvollstes Lesefest, das intensive Lektüren befördert“. Sein Wunsch: Dass diese „kollektive Werklektüre auch anderswo kopiert wird“.

Das Festival ist eine einzigartige Möglichkeit, städtische, soziale und private Institutionen zur Förderung kultureller Bildung zu vernetzen. Der Buchhandel im Rhein-Main-Gebiet profitiert von der Initiative und wird gestärkt. Die Veranstaltungsvielfalt begeistert viele Menschen in der Stadt, ermöglicht Austausch und Teilhabe aller Altersklassen. Neben klassischen/szenischen Lesungen gibt es Diskussionsrunden, Vorträge, Theater-, Film- und Opernabende, Ausstellungen, Stadtspaziergänge, Schulveranstaltungen und kreative Wettbewerbe. Um unterschiedlichen Zielgruppen und dem Thema des Buches gerecht zu werden, wird stets mit neuen Veranstaltungsformen experimentiert. Eine Evaluation und Dokumentation findet im Anschluss statt.

Das Projekt richtet sich dank der vielfältigen Veranstaltungsformen an alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten. Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen (auch aus bildungsfernen Schichten) soll ein Zugang zum Lesen und kulturellen Leben in der Stadt ermöglicht werden. In den Schulen z.B. bereiten sich die Schüler*innen schon vorab vor und werden durch Planung und Umsetzung von Theateraufführungen und Ausstellungen ins Projekt aktiv einbezogen. Buchhandlungen gestalten Schaufenster. Kooperationspartner werben in Newslettern/Posts für ihre Veranstaltung. Die Medien in der Region berichten ausführlich bereits im Vorfeld.

Das Projekt „Frankfurt liest ein Buch“ setzt auf Kontinuität, die persönliche Ansprache und die Zugänglichkeit und Offenheit für alle Bürger*innen und Institutionen. Jedes Jahr im März/April findet in der Deutschen Nationalbibliothek die Eröffnung mit einer Lesung von neun Vertreter*innen der Frankfurter Stadtgesellschaft statt, darunter Stadtpolitiker*innen, Schüler*innen, Schauspieler*innen, Kulturschaffende. Diese Kontinuität hat „Frankfurt liest ein Buch“ fest im Kulturleben der Stadt verankert. Die traditionelle Eröffnung ist alljährlich bereits Wochen im voraus ausgebucht und gilt als Jahreshighlight unter den Veranstaltungen in der Stadt und Region.

Der Kontakt zu den Kooperationspartnern ist von der ersten Informationsveranstaltung an bis hin zur Durchführung des Projekts sehr eng. „Frankfurt liest ein Buch“ regt an, berät, vermittelt, koordiniert und unterstützt in Bezug auf Themen, Veranstaltungsformen, Akteur*innen, Gesprächspartner*innen, Orte und Werbemittel. Da die Vorbereitungen für ein neues „Frankfurt liest ein Buch“ bereits wenige Wochen nach Abschluss des vorangegangenen Lesefestes beginnen, ist das Interesse der Öffentlichkeit und der Kooperationspartner das ganze Jahr über ungebrochen groß. Insbesondere die Auswahl des neuen Buches (und somit Themas) wird stadtweit mit großem Interesse und großer Anteilnahme verfolgt.

2016 findet „Frankfurt liest ein Buch“ vom 11. bis 24. April 2016 statt. Die ganze Stadt liest den Roman „Frankfurt verboten“ von Dieter David Seuthe (Verlag weissbooks.w). Im Mittelpunkt steht die junge, jüdische Pianistin Elise Hermann und der schleichende Prozess des Faschismus im Bürgertum in Frankfurt in den Jahren 1929 bis 1936.

Musikjournalistin Ilona Oltuski schreibt über „Frankfurt verboten“: „Die Idee, das Grauen der Nazi-Zeit durch die Realität einer empfindsamen Pianistin zu beschreiben, den Verfall dieser Welt und dann auch den Glauben an den Sieg von Liebe, Musik und menschlichen Gefühlen wieder im vollen Zirkel zu schließen, ist dem Autor auf bewegende Weise gelungen.“ (Ilona Oltuski, Musikjournalistin New York)

Auf dem Programm von „Frankfurt liest ein Buch“ stehen in diesem Jahr zahlreiche Schulveranstaltungen, Lesungen (sogar in ganz privaten Räumen), Theateraufführungen z. B. mit jungen Flüchtlingen aus Europa, mit dem Theater Willy Praml, dem Improvisationstheater „Für Garderobe keine Haftung“ oder dem Theater „Gruene Sosse“, Workshops, Filmvorführungen und Lichtbildvorträge – umrahmt von musikalischen Ausschnitten aus dem im März 1933 „verbotenen“ Debüt-Konzert Elises.

Das aktuelle Programm ist hier zu finden.

Das Projekt „Frankfurt liest ein Buch“ ist nominiert für den BKM-Preis Kulturelle Bildung 2016 der Bundesregierung.

Kontakt:

  • Vorsitzender: Klaus Schöffling
    Stellvertretender Vorsitzender: Eldad Stobezki
    Schatzmeisterin: Silke Tabbert
In der Oper / Foto: Wolfgang Becker
Enthalten in

Region: Hessen | Sparte: Bildende Kunst, Film, Interdisziplinär, Literatur/ Lesen, Museum, Musik, Theater | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |