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#78: Musikalische Grundschule

13.07.2015
Foto: Bertelsmann Stiftung

Die Praxis

Im Projekt „Musikalische Grundschule“ gestalten Schulen eine entwicklungsfördernde Lebenswelt, die allen Kindern in der täglichen schulischen Praxis Zugang zu der Vielfalt musikalischer Bildungsangebote und deren Potenzialen ermöglicht. Es wird musiziert, gesungen, getanzt. Es wird mit Klängen experimentiert, Klanggeschichten werden erzählt und Klanggärten gebaut. Es werden Instrumente gespielt und aus Alltagsgegenständen hergestellt. Es werden Gedichte vertont, Vokabeln gerappt, Zahlenreihen geklatscht. Es wird sich mit Musik erfrischt oder entspannt.

Die Musik kommt im gesamten Schulleben vielfältig zum Einsatz: Im Unterricht aller Fächer, bei fächerübergreifenden Projekten, bei Angeboten des Ganztags, in Lehrerkonferenzen, an Elternabenden, bei Schulfesten, in Pausen und bei vielen anderen Gelegenheiten. Durch die Einbindung musikalischer Elemente im gesamten schulischen Alltag erhalten alle Kinder die Chance, musikalische Bildungsprozesse selbst zu gestalten. So leistet die „Musikalische Grundschule“ einen Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem.

Die Idee

Jedes Kind ist musikalisch. Damit die Lust an der Musik bleibt und wächst, brauchen Kinder einen situations- und altersgerechten, alltäglichen Zugang zu Musik sowie qualifiziertes pädagogisches Personal, das sie in ihren Selbstbildungs- und Entwicklungsprozessen begleitet und unterstützt.

Musik leistet jedoch nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Musik kann auch ganze Organisationen in Bewegung setzen. Schulen, die Musik als verbindendes Element konzeptionell in ihrem Alltag verankern, nutzen Musik als Medium und Motor für strukturelle, personelle und inhaltliche Entwicklungsprozesse. Unter der Beteiligung und Mitarbeit aller Akteur*innen, ausgestattet mit ausreichend Zeit und notwendigen Ressourcen sowie flankiert von Unterstützungsangeboten, können nachhaltige Veränderungen in Schulen angestoßen und wirksam werden. Musik wirkt in den Unterricht aller Fächer sowie in die Angebote des Ganztags hinein. Sie wird damit zum Lernprinzip und Gestaltungselement im gesamten Schulalltag.

Die Musik durchdringt unterschiedliche Bildungsbereiche, verbindet diese miteinander und wird deshalb als Querschnittsdimension aller Bildungs- und Lernprozesse in Schulen angesehen. Auch in der Fortbildung der Pädagog*innen ist Musik als zentrales Thema verankert, da sie Antworten auf aktuelle bildungspolitische Herausforderungen geben kann, denen sich Schulen heute stellen müssen: Qualitätsentwicklung, Sprachförderung, Inklusion, Elternarbeit, Migration, Chancengerechtigkeit und Partizipation.

Die Ziele

Die „Musikalische Grundschule“ schafft allen Kindern Zugang zu den Potenzialen von musikalischen Bildungsprozessen und ermöglicht umfassende Teilhabe an kultureller Bildung. Sie gestaltet methodisch und didaktisch lebendige, phantasievolle Schulen.

Der Weg

Die „Musikalische Grundschule“ ist ein Projekt zur Schulentwicklung. Das Konzept ist aus der Perspektive von Schulqualität entwickelt und orientiert sich an Prinzipien einer inklusiven Schule. Die Grundhaltung des Konzeptes sieht Heterogenität als Normalität, Vielfalt als Chance und die Unterstützung individueller, kreativer Lösungen als Prinzip vor. Den Entwicklungsprozess zur Musikalischen Grundschule gestaltet jede Schule individuell und partizipativ. Grundlegend ist das gemeinsame Interesse der Schulgemeinschaft, sich als Musikalische Grundschule zu profilieren. Schüler*innen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal und Eltern erleben an ihrer Schule die „4 Ms“: Mehr Musik vermittelt von Mehr Beteiligten in Mehr Fächern zu Mehr Gelegenheiten.

Grundschullehrkräfte mit musikalischer Expertise (und z. T. auch pädagogische Fachkräfte aus dem Ganztag/Hort) sind als Musikkoordinator*innen für die Initiierung und Steuerung des musikalisch geprägten Schulentwicklungsprozesses zuständig. Während der zweijährigen Projektlaufzeit werden sie in umfangreichen Fortbildungsmodulen und Fachtagen von Trainertandems aus den Bereichen Schulentwicklung und Musikpädagogik für diese Aufgabe qualifiziert. Schulleitungen erhalten ebenfalls die Möglichkeit zur Weiterbildung im Kontext des Projektes. Musik ist das verbindende Element für alle schulischen Arbeitsfelder. Die einzelne Projektschule ist eingebettet in ein regionales und landesweites Netzwerk. Landes- und Regionalkoordinator*innen stehen als Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Bei der Umsetzung des Projekts unterstützen u. a. die Schulentwicklungsberatung oder Fachberater*innen. Das Zertifikat „Musikalische Grundschule“ macht die Profilbildung der Schulen nach außen hin sichtbar.

Die Vernetzung der Schulen zu regionalen Verbünden dient dem Erfahrungsaustausch, der kollegialen Beratung und somit der Stabilisierung und Nachhaltigkeit der Musikalischen Grundschule auch über die Projektphase hinaus. Auf Bundesebene sorgt der regelmäßige Austausch zwischen den Projektakteuren für Qualitätsentwicklung und -sicherung.

Vom Projekt zum Programm

Aufgrund der positiven Erfahrungen der Schulen im Projekt, setzen die meisten Schulen die Entwicklung über das Projektende hinaus fort. Ergebnisse der Nachhaltigkeitsstudie in Hessen (Lehmann-Wermser, Naacke, Schurig, 2013: Untersuchung zur nachhaltigen Entwicklung des Projekts Musikalische Grundschule im Bundesland Hessen) zeigen, dass Schulen der ersten Stunde auch heute noch als Musikalische Grundschulen aktiv sind. Die Musikalisierung des Schulalltags bleibt in Quantität und Qualität nach Projektende stabil auf einem hohen Niveau, musikalische Aktivitäten verstetigen sich als Routine. Zur Verstetigung des Projekts als Programm tragen folgende Aspekte bei: Die Einbindung der musikalischen Bildung im Schulprogramm und im schulinternen Lehrplan, der Aufbau regionaler Verbünde, der Einbezug von vorhandenen Strukturen zur Fach- und Schulentwicklungsberatung, jährliche Fachtagungen, die Begleitung durch Koordinatoren, die Anschlussfähigkeit des Konzepts an bildungspolitische Herausforderungen und die Vernetzung der Steuerungsakteure im bundesweiten Netzwerk auf Ebene der Schulen, der Regionen und des Bundeslandes.

Genese und Transfer

Das Konzept der Musikalischen Grundschule wurde als Kooperationsprojekt der Bertelsmann Stiftung und des Hessischen Kultusministerium entwickelt und in der Schulpraxis erprobt. Neben den konzeptionellen Eckpfeilern ist das Konzept gleichzeitig offen für bundeslandspezifische Schwerpunktsetzungen und Strukturen. In der bisherigen Projektlaufzeit wurden an fast 400 Projektschulen rund 200.000 Kinder erreicht. In diesem Jahr feiert die Musikalische Grundschule zehnjähriges Jubiläum und hat neben Hessen inzwischen auch Niedersachsen, Thüringen, Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen erreicht.

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Enthalten in

Region: Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen | Sparte: Musik | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |