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#95: JUNGE OHREN PREIS

09.11.2015
Foto: Oliver Röckle

Die besten professionellen Musikproduktionen für junges Publikum im deutschsprachigen Raum aufspüren, auszeichnen und vor allem Lust darauf machen, kreative Konzepte für ein modernes und zukunftsfähiges Musikleben zu erfinden – mit diesem Ziel hat sich der JUNGE OHREN PREIS seit 2006 im deutschsprachigen Raum etabliert und feiert am 26. November 2015 im Rahmen der Preisverleihung in der Villa Elisabeth in Berlin-Mitte das Jubiläum seiner 10. Ausschreibung. Mit 90 Bewerbungen erzielte die Jubiläumsrunde eine erfreuliche Resonanz, wie auch die vorherigen Wettbewerbsrunden stets um die 100 Einreichungen pro Jahr verzeichnen konnten. Seit 2010 wird der JUNGE OHREN PREIS in seinen beiden Hauptkategorien „Best Practice, Konzert“ und „Best Practice, Partizipatives Projekt“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die Konzeptkategorie „LabOhr“ wird von der Strecker-Stiftung gefördert.

Reichweite

In seiner Reichweite bildet der Wettbewerb die deutschen Bundesländer fast vollständig ab, erweitert um Bewerbungen aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg. Dabei stehen keineswegs nur die großen Player und Kulturinstitutionen im Fokus. Mindestens ebenso stark vertreten ist die freie Musikszene mit unkonventionellen und experimentellen Produktionen und Formaten. So finden sich unter den Preisträger*innen des JUNGE OHREN PREIS freie Regiearbeiten wie „Die Reise nach Brasilien“ von Malte Prokopowitsch, „Die verlorenen Schritte“ des Ensembles Xthesis oder „Klangsport“ der Gruppe theaterformen neben dem Großprojekt „Fealan – Winterthur schreibt eine Oper“ des Musikkollegiums Winterthur und dem Tanz- und Bewegungsprojekt „Rhythmus und Tanz – Zack, Bumm, Gstaad“ des Menuhin Festivals Gstaad sowie dem partizipativen Vermittlungsprojekt „Ein Jahr mit György Ligeti“ des Klavier-Festivals Ruhr.

Produktionsarchiv

Der JUNGE OHREN PREIS hat in den vergangenen zehn Jahren ein stattliches Produktionsarchiv aufgebaut, das die Professionalisierung im Feld Musikvermittlung/Music Education eindrucksvoll nachzeichnet. Zudem lassen sich über die eingereichten Produktionen und Projekte Themen und Tendenzen erkennen, die der Szene ihre Impulse verleihen. So liegt in der Ausschreibung 2015 ein besonderer Schwerpunkt bei (zumeist partizipativ angelegten) Projekten im Feld Musik Erfinden/Komposition, was die Bedeutung des schöpferischen und experimentellen Zugangs zu Musik – gerade auch im Kontext Schule – verdeutlicht. Ein weiterer Strang sind künstlerische Vermittlungsprojekte, die sich gesellschaftlichen Themen und Herausforderungen zuwenden wie beispielsweise Interkultur und Inklusion. Im Bereich „Konzert“ zeichnet sich die Tendenz zu inszenierten Formaten ab – oft hochprofessionell angelegte Regiearbeiten in kleiner Besetzung, die tourneefähig sind und bei weitem nicht nur das junge Publikum begeistern.

Juryarbeit

Dass man mit ausreichenden Ressourcen und Einsatz viel bewirken kann, stellen viele der Bewerbungen immer wieder eindrucksvoll unter Beweis. Dies gilt nicht nur für die Produktionen selbst, sondern auch für das zum Teil hochprofessionell dargebotene Filmmaterial, mit dem sie für die Bewerbung dokumentiert werden. Es ist eine besondere Qualität der Jury, Kreativität nicht nur dort zu erkennen, wo sie offensichtlich ist. Sondern auch in Produktionen, die auf sehr kreativen Wegen überhaupt erst möglich gemacht werden. Die Preisträger zeichnen daher ein lebendiges Bild nicht nur dessen, was sich seit 2006 auf allen Ebenen der Musikszene im Bereich Education und Musikvermittlung tut – sie geben auch Aufschluss über die Juryarbeit, die den JUNGE OHREN PREIS  kontinuierlich prägt und sein Rückgrat bildet. Die Jury setzt sich aus dem Fachbeirat des netzwerk junge ohren zusammen, jedes Jahr erweitert um zusätzliche Mitglieder, die Kompetenzen für spezielle Themen (z.B. Musiktheater- und Kompositionspädagogik) einbringen und das fachliche Fundament ergänzen. Über die Jahre hat sich eine Diskussionskultur um den Wettbewerb entwickelt, die sich direkt auf das Profil des Wettbewerbs auswirkt.

Seismograf

Wie ein Seismograf registriert der JUNGE OHREN PREIS die Bewegungen und Tendenzen im Musikleben, bildet sie ab und entwickelt sich an ihnen weiter. Die einzelnen Kategorien sind sukzessive auf diese Art entstanden: Best Practice „Konzert“ und Best Practice „Partizipatives Projekt“ als die beiden Hauptkategorien für in sich geschlossene Konzertformate einerseits und Musikvermittlungsprojekte mit partizipativen Anteilen andererseits. Die Kategorie „Musik & Medien“ flankierte den Wettbewerb von 2009 bis 2013, gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Ergänzt ab 2010 durch die Kategorie „LabOhr“, die 2014 zum Konzeptpreis umgewandelt wurde. Gesucht sind neue Projektideen, die mit dem Fokus auf das Hören selbst experimentell Formate erfinden. Durch die Auszeichnung und das Preisgeld trägt der JUNGE OHREN PREIS zur Realisierung dieser Ideen bei und begleitet die neuen Produktionen aktiv bei ihrer Entwicklung. So erhält der Wettbewerb ein Gegengewicht zu seinen „Best Practice“-Kategorien, die bei konstant hohem Niveau professionelle und erprobte Formen und Formate der Musikvermittlung abbilden. Experimente, bei denen der Versuch des Neuen überwiegt, finden mit „LabOhr“ einen für sie passenderen Raum. Dass beide Pole – Professionalität und Innovation – in ein dynamisches Wechselspiel kommen, dafür steht die verbindende Klammer JUNGE OHREN PREIS.

Preisverleihung

Die Preisverleihung des JUNGE OHREN PREIS, die jedes Jahr in einer anderen Stadt gastiert, schafft zusammen mit Kooperationspartnern vor Ort einen Rahmen, in dem die nominierten Projekte präsentiert und gewürdigt werden können. Sie ermöglicht fachlichen Austausch und Networking und stellt aktuelle Themen in abwechslungsreichen Programmen zur Diskussion. Bisherige Stationen der Preisverleihung waren Berlin, Köln, München, Osnabrück, Hamburg, Leipzig und Stuttgart. Im Rahmen des JUNGE OHREN PREIS wurden mit Tagungsveranstaltungen zusätzliche Foren für fachlichen Diskurs geschaffen. 2012 stand mit „Jeder Musiker ist auch Vermittler – wirklich?!“ das Thema Hochschule und Ausbildung im Fokus, 2013 thematisierte die Konferenz „Musik & Medien“ den Umgang mit neuen medialen Ausdrucks- und Kommunikationsformen im Bereich Musikvermittlung und 2014 nahm die Tagung „TAKTWECHSEL – Innovation im Musikbetrieb“ Umgestaltungsprozesse auf institutioneller Ebene in den Blick.

Ausblick

2015 ist für den JUNGE OHREN PREIS ein Jubiläumsjahr. Zum 10. Mal heißt es dann „Ausgezeichnetes für junge Ohren“. Als Wettbewerb, der Innovation anregen und fördern möchte, muss auch der JUNGE OHREN PREIS sich stets neu erfinden und seine Standards infrage stellen. Aus diesem Grund wird es auch bestimmt nicht leise werden um den Preis, der so neugierig und kritisch die Entwicklungen im Musikleben begleitet.

Weitere Informationen zum JUNGE OHREN PREIS erhalten Sie hier.

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Foto: Oliver Röckle
Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Musik | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Frühkindliche Bildung, Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |