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Der Kulturpass für ALLE

20.04.2013
Hat sich den Kulturpass für ALLE ausgedacht: Götz Wörner. Foto: Andreas Kolb

Auf der Frankfurter Musikmesse traf sich Andreas Kolb mit Götz Wörner, dem „Erfinder“ des „Kulturpass“ des Verein Kultur für ALLE e.V.. Was hinter dieser Idee der kulturellen Bildung verbirgt, erfahren Sie im folgenden Gespräch.

Das Projekt Kultur für ALLE, alle in Versalien geschrieben, möchte Kultur für diejenigen vermitteln, die von der Teilhabe ausgeschlossen sind. Wie geht das?

Götz Wörner: Ich habe 2008 den Verein „Kultur für ALLE“ ins Leben gerufen, da ich aus eigener Erfahrung als Hartz IV Empfänger heraus festgestellt habe dass die Menschen, die von der Grundsicherung leben müssen, sich Kultur nicht mehr leisten können und damit vom kulturellen Leben ausgeschlossen sind.

Wer war damals dabei?

Wörner: Leute, die aus dem Kulturbetrieb und der Sozialarbeit kommen, Grafiker, Juristen, Architekten…und wir taten dies ohne Förderung, abgesehen von einer Agentur, die unsere Homepage umsonst eingerichtet hat.

Die Grundidee war es, einen Kulturpass zu schaffen?

Wörner: Ja, einen Ausweis . Anrecht auf diesen Pass haben in Frankfurt am Main alle diejenigen, die von Grundsicherung leben, Hartz IV-Empfänger  und deren Kinder, Seniorinnen und Senioren, die Sozialrente bekommen, Asylbewerber, Bafög-Empfänger oder Menschen, die Wohngeld beziehen. Alle die am Existenzminimum leben: Das sind über 90.000 Menschen in Frankfurt, davon 30.000 Kinder.

Der Kulturpass funktioniert nicht nach dem Gutscheinprinzip?

Wörner: Er soll kein Almosen sein. Wir kamen schnell weg von der Idee der Tafeln. Alle Menschen haben das Recht auf kulturelle Teilhabe, auf kulturelle Bildung. Und für die Kulturinstitutionen ist es eine Pflicht,  etwas an diese Menschen weiterzugeben.

Wie funktioniert der Pass?

Wörner: Es ist ein ästhetisch gemachter Pass, kein Armutspappendeckel. Vorne drauf das wunderschöne Bild von Marc Chagall „Comedia dell’Arte“, das in der  Frankfurter Oper hängt. Er sieht aus wie ein Bankkärtchen und ist mit dem Namen seines Inhabers personalisiert. Er kostet pro Jahr einen Euro. Auf dem tagesaktuell redaktionell gepflegten Internet – Portal www.kulturpass.net kann man sich über die Angebote informieren.

Wie gehen Sie bei der Verbreitung  des Kulturpasses vor?

Wörner: Wir arbeiten von Anfang mit den freien sozialen Trägern zusammen: der Caritas, der Diakonie, auch die kirchlichen Träger, die alle jeweils ihre Zielgruppe kennen. Insgesamt sind es über 50 Partner. Auf der anderen Seite kooperieren wir inzwischen mit fast alle wichtigen Frankfurter  Kulturveranstaltern. Das sind  über 200 Kulturinstitutionen,bei denen inzwischen über 7.000 Kulturpassinhaber/innen willkommen sind, darunter die Alte Oper Frankfurt, die Städtischen Bühnen, viele kleinen Theater, fast alle Museen, die Buchmesse und die Musikmesse, Big Band und Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunk,  die uns dieses Jahr 200 Karten kostenfrei zur Verfügung gestellt hat.

Ist der Eintritt mit dem Pass kostenlos oder ermäßigt?

Wörner: Wir verfolgen das 1-Euro-Prinzip: Jeder Passinhaber zahlt 1 Euro, Kinder 50 Cent.

 

Enthalten in

Region: Hessen | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Interview |