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Die Leipziger Buchmesse hat auch eine Bildungsaufgabe

14.03.2013
Oliver Zille. Foto: Messe Leipzig

Am 14. März öffnet die Leipziger Buchmesse wieder ihre Türen: ein riesiger Markt für alle, die mit dem Thema Buch bzw. Lesen zu tun haben. Über das Engagement der Messe für die kulturelle Bildung hier ein Gespräch mit dem Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille:

Die Leipziger Buchmesse ist zunächst einmal ein Markt im wirtschaftlichen Sinn. Sehen Sie für sich auch Aufgaben im Bereich der kulturellen Bildung oder Leseförderung?

Oliver Zille: Die Aufgabe, die die Leipziger Buchmesse für sich sieht, ist zum einen, Menschen für neue Literatur zu interessieren. Zum anderen wollen wir auf längere Sicht Kinder und Jugendliche überhaupt zum Lesen bringen. Wir sehen ganz klar, dass nur die Heranbildung von neuen Lesern am Ende auch unseren Kunden neue Käuferschichten bringen kann. Insofern haben wir auch eine Bildungsaufgabe. Mit einem entsprechenden Programm machen wir es uns zur Aufgabe, professionelle Leseförderer, also Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter in Institutionen, die sich mit Leseförderung beschäftigen, weiterzubilden und deren Erfahrungsaustausch zu organisieren. In diesem Jahr wird es eine internationale Konferenz zur frühkindlichen Bildung und Leseförderung geben, die die Stiftung Lesen und das Goethe-Institut mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung und Forschung nach Leipzig geholt hat. Bei diesem Kongress sind professionelle Leseförderer aus allen Kontinenten vertreten.

Am 11. März beginnt wieder der Bibliothekskongress in Leipzig, der alle drei Jahre stattfindet. Dort finden eine Reihe von Diskussionsrunden und Panels statt, die sich speziell mit dem Thema Leseförderung und dem Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Büchern und gedruckten Texten beschäftigen.

Jedes Jahr reisen auch zahlreiche Lehrer und Erzieher - im letzten Jahr waren es circa 27. 000 – nach Leipzig und nehmen eine ganze Reihe von Veranstaltungen wahr, die praktische Tipps zum Thema Leseförderung geben.

Mit der Stiftung Lesen geben wir seit vergangenem Jahr den Leipziger Lesekompass heraus: eine Empfehlungsliste nach Altersstufen für Literatur, die zum Lesen hinführen und die Lesemotivation erhöhen soll und die versucht, den verschiedenen Anforderungen, die mit unterschiedlichen Lesetypen und -interessen  gestellt sind, gerecht zu werden.

Außerdem laden wir Lehrer mit ihren Schulklassen zur Messe ein. Dahinter steckt die Idee, dass eben nicht nur Kinder aus Familien, die schon sehr stark mit Literatur in Kontakt gekommen sind und die selbst lesen, auf die Messe geholt werden, sondern eben auch Schüler, die noch nicht so viel mit Literatur am Hut haben. Pro Jahr kommen ungefähr 25.000 Schüler aus ganz Deutschland im Klassenverbund auf die Messe. Seit einigen Jahren gehen wir auch selbst an die Schulen. Wir haben mittlerweile knapp 100 Schulen aus Leipzig und Umgebung, die mit uns zusammenarbeiten. Dorthin vermitteln wir während der Messezeit Verlagsautoren zu Lesungen und Gesprächen.

Können Sie als einmal jährlich stattfindende Messe auch etwas in Sachen „nachhaltige kulturelle Bildung“ tun?

Zille: Es ist schwierig, dieses Ziel in nur vier Tagen zu erreichen. Aber erstens können solche Ereignisse wie die Leipziger Buchmesse durchaus Initialereignisse für Kinder und Jugendliche sein. Die Messe hat einen sehr hohen Unterhaltungswert und wenn sie sich ein bisschen umschauen, finden Kinder und Jugendliche eine Menge interessanter Dinge. Insofern glaube ich, dass solche Ereignisse, wie die Leipziger Buchmesse, auch wenn sie nur über wenige Tage stattfinden, eine innere Nachhaltigkeit besitzen. Die Tatsache, dass wir professionelle Leseförderer auf die Messe holen und weiterbilden, wirkt außerdem über das ganze Jahr oder über die Jahre hinweg in der praktischen Arbeit der Kollegen an den Schulen oder Einrichtungen weiter.

Gehen Sie an die jungen Leute auch mit neuen medialen Formaten heran?

Zille: Das ist natürlich ein Thema, nur steckt es noch in den Kinderschuhen. Uns ist klar, dass eine Menge Jugendlicher weniger klassische Bücher, sondern eher im Netz lesen. Da beginnen wir schon zu experimentieren. Neue Formate sind am Markt allerdings noch nicht so breit etabliert, dass man eine eigene Abteilung der Buchmesse daraus machen könnte. Wir sehen uns aber nicht als die reinen Hüter des gedruckten Wortes. Wir transportieren Inhalte – und die Form folgt dem Inhalt. Wenn Kinder und Jugendliche über neue Medien an Langtexte herangeführt werden können, werden wir das auf der Messe auch aufgreifen.

Kulturelle Bildung wird im Regelfall mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht, aber sie betrifft auch andere Altersstufen. Gibt es bei Ihnen auch Programme für ältere Generationen?

Zille: Einen Schwerpunkt setzen wir hier nicht. Es gibt eine Aktivität des Bundesverbandes für Alphabetisierung, die wir unterstützen. Ansonsten ist es aber so, dass beim erwachsenen Publikum ein eigenes Interesse und eine gewisse Vorbildung notwendig sind. Im besten Fall machen wir Wenig-Leser zu Viel-Lesern, aber erwachsene Nicht-Leser sind keine wirkliche Zielgruppe für uns.

 

 

 

Enthalten in

Region: International, Bundesweit | Sparte: Literatur/ Lesen, Medien | Thema: Altersübergreifend, Aus- und Weiterbildung, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Interview |