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Interview: Bundesverband Tanz in Schulen

23.04.2013
Katharina Schneeweis. Foto: Privat

Der Bundesverband Tanz in Schulen e.V. ist ein Verein, der sich seit 2007 dafür engagiert, der zeitgenössischen Tanzkunst in allgemeinbildenden Schulen einen größeren Stellenwert zu verschaffen. Im Rahmen des Projekts „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ ist der Bundesverband Tanz in Schulen einer der beteiligten Verbände, die lokale Bildungsbündnisse vor Ort initiieren und die zur Verfügung stehenden Mittel verteilen. Katharina Schneeweis ist Gründungsmitglied des eingetragenen und gemeinnützigen Vereins Bundesverband Tanz in Schulen. Von 2007 bis 2011 leitete sie die Geschäftsstelle in Köln. Seit Herbst 2011 ist sie Beisitzerin im Vorstand und hat für „Kultur macht stark“ federführend das „Chance Tanz“-Konzept entwickelt. 

Was ist der Bundesverband Tanz in Schulen e.V. und was sind Ihre Ziele?

Katharina Schneeweis: Der gemeinnützige Verein „Bundesverband Tanz in Schulen e.V.“ wurde 2007 gegründet und entwickelte sich aus einer Initiative, die schon im Jahr 2003/2004 u. a. in Nordrhein-Westfalen entstanden ist. Dort wurden Ganztagsgrundschulen eingeführt, die auf den Einsatz außerschulische Partner aus Sport, Kunst und Kultur angewiesen waren. Damit und als Folge auf den Pisa-Schock war die kulturelle Bildung wieder in aller Munde. Das nrw landesbuero tanz hat sich damals für den Tanz in Schulen stark gemacht. Daraus entwickelte sich mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Vereinsgründung. Es geht uns darum, die zeitgenössische Tanzkunst und Tanzkultur vor allem in der schulischen Bildung zu etablieren. Schülerinnen und Schülern aus allen Schulformen und Schultypen sollte ein Zugang zur Tanzkunst ermöglicht werden. Ging es anfangs vor allem um die Schulen, beobachten wir mittlerweile auch eine starke Tendenz zu Kooperationen mit außerschulischen Einrichtungen.

In den ersten Jahren konnten wir mit Hilfe eines dreijährigen Projekts des Bundesbildungsministeriums (BMBF) erste Grundlagen schaffen. Wir haben zunächst einmal definiert, was diese „Tanz in Schulen“-Projekte ausmacht, was die gemeinsame Grundlage ist und haben Tools bzw. Instrumente entwickelt um die Qualität in den Tanz in Schulen Projekten greifbar zu machen und sie auch sichern zu können. Dabei haben wir erkannt, dass es viel Bedarf an Austausch zwischen den Schulen und den Tanzunterrichtenden und auch zwischen den Tanzunterrichtenden untereinander gibt. Wir haben zahlreiche Fachtagungen organisiert und in vielen Arbeitstagungen als Grundlage einen Qualitätsrahmen geschaffen und eine Online-Projektdatenbank mit angeschlossenem Reflexionstool entwickelt. All das steht allen Interessierten über unsere Webseite zur Verfügung. Im Fokus unserer Arbeit steht die Aufgabe, die „Tanzvermittler“, also Tanzkünstler, Tanzpädagogen und Choreografen in ihrer Arbeit in der Schule und bei ihren Projekten zu unterstützen. Und es geht auch darum die tanzpädagogische Forschung anzuschieben und zu vernetzen.

Wenn Tänzer in die Schulen gehen, sind das in der Regel sicher sehr gute Tänzer, aber nicht unbedingt ausgebildete Pädagogen?

Schneeweis: In den Projekten unterrichten normalerweise Tänzer, Tanzpädagogen oder Choreografen, die mit unterschiedlichen Ausbildungen, Hintergründen und Biografien in diesem Bereich tätig sind. Je nach Hintergrund setzen sie unterschiedliche Prioritäten. In diesen tanzkünstlerischen Projekten geht es natürlich sehr stark um den künstlerischen Prozess, in den und in dem die Tanzvermittler die Kinder und Jugendlichen begleiten. Um all diese Anforderungen an Projekte darzustellen, haben wir unter anderem den Qualitätsrahmen „Tanz in Schulen“ entwickelt. Dieser zeigt aus Sicht der vier Beteiligtengruppen – dem Tanzkünstler, den Schülern, der Schule und der Koordinierungsstelle – jeweilige Anforderungen, Kriterien, Gelingensbedingungen und Möglichkeiten auf.

In den Anfängen unserer Arbeit wurde die Konkurrenz zwischen Lehrern und externen Tanzkünstlern noch sehr stark thematisiert. Derartige Projekte und die externen Künstler wurden oft als Konkurrenz empfunden. Das hat sich aber verändert. Eine intensive und gute Zusammenarbeit und eine gemeinsame Planung von Lehrer und Künstler sind für ein funktionierendes Projekt sehr wichtig. Diese Projektarbeit wird inzwischen von den meisten Lehrern als große Bereicherung schulischer Bildungsarbeit erlebt.

Wie müssen sich Strukturen verändern, um den Tanz in Schulen weiter zu stärken?

Schneeweis: Ohne Strukturen ist kein nachhaltiges Arbeiten und Wirken möglich. Wir alle wünschen uns nachhaltige und besser finanzierte Strukturen. Es gibt ja zwischenzeitlich viele Programme in den Bundesländern, die kulturelle Teilhabe-Programme oder künstlerische Projekte in Schulen ermöglichen und Gelder bereitstellen. Zumeist wird allerdings nur die eigentliche Projektarbeit finanziert. Die notwendigen Strukturen, die eine qualitätsorientierte Projektarbeit ermöglichen, zu entwickeln und zu sichern ist vielerorts für die Akteure schwierig. Derartige Strukturen zu stärken und auch politisch dafür einzutreten, ist im Rahmen unserer Verbandsarbeit wesentlich. Aber es geht für alle Akteure auch darum vorhandene Strukturen entsprechend gut zu nutzen und findig aufzugreifen. Sei  es, dass zum Beispiel Schulen Lehrer für eine Tätigkeit als Kulturbeauftragte mit ein paar Stunden frei stellen, um so die wichtige Kooperationsarbeit zwischen Schule und außerschulischer Einrichtung zu entwickeln und zu stärken. Oder sei es die Initiative Einzelner in einer Region oder Kommune, die selbst Projekte initiieren und die Vermittlungsarbeit zwischen Tanzkunst und Schule anschieben. Vieles entsteht durch einzelne Personen, die bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen.

 

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Tanz | Thema: Altersübergreifend, Aus- und Weiterbildung, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Interview |