Kultur bildet.

Das Portal für kulturelle Bildung.

Künstlerische Eingriffe in den Berliner Stadtraum

20.09.2014
DIE ZWIEFACHEN auf der Open Stage Revue / Foto: Gianmarco Bresadola

Ein Rückblick auf das Festival Interventionen – Kulturelle Bildung X Stadtentwicklung

Wie steht es um die Lebensqualität in Berlin – der Stadt im Umbruch zwischen Flugplatzskandal, aus dem Boden sprießenden Eigentumswohnungen, betroffen von steigenden Mieten, sozialer Verdrängung und demonstrierenden Flüchtlingen? Drei Tage lang beschäftigten sich Jugendliche und Erwachsene im Rahmen des Festivals Interventionen unter dem Motto „Kulturelle Bildung X Stadtentwicklung“ mit grundsätzlichen Fragen zu Stadtplanung und Stadtgestaltung. Das Festival bündelte drei unterschiedliche Formate: Am ersten Tag wurde die Bühne für junge interdisziplinäre Antworten auf die Frage ‚Berlin was geht?‘ frei gemacht. Am zweiten Tag brachten sich die Projektemacher auf den aktuellen Stand und machten das Podewil mit einer Ausstellung und Präsentationen zum ‚Baumarkt der Zukunft‘. Der dritte Tag schließlich mündete in einer Großaktion ‚A wie Alex‘ auf dem Alexanderplatz.

Aus Jugendsicht läuft in Berlin Vieles aus dem Ruder und sie brachten es auf der Bühne auf den Punkt. Am Donnerstagabend bebte die Bühne im Podewil: „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr günstigen Wohnraum!“ Moderatorin Tanja Ries erhielt prompte Antworten auf ihre Frage, was in der Stadt alles anders werden muss. Das Line up umfasste einen interessanten Mix aus gesellschaftskritischen Darbietungen: Rapper Kaveh unterstrich mit seinem Rapsong das uneingeschränkte Asylrecht für Flüchtlinge. Die Theatergruppe DIE ZWIEFACHEN erklärte Berlin kurzerhand zur Baustelle der Investoren. Kiezrapper aus Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg beklagten die vergessenen Seiten der Stadt, gestrichene Mittel für die Jugendhilfe und offenbarten ihre Zukunftsängste. Die internationale Performance-Gruppe 27 Dance Monkeys konfrontierte das Publikum mit einer grellen Theaterperformance über das egozentrische Wertesystem der westlichen Welt. „Berlin ist so kaputt, wie Du es bist.“ Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen rangen um schwindende Freiräume und suchten nach der sozialen Stadt.

Am Freitag traf sich die Projektszene und förderte eine große Bandbreite von künstlerischen Stadtprojekten zutage, die sich kritisch und konstruktiv mit der Stadt auseinandersetzen. Erfolgreiche partizipative Kiezprojekte wie bspw. das durch Rapper Sido berühmt gewordene Märkische Viertel in Berlin-Reinickendorf wurden präsentiert. Dass bereits Kitakinder Stadt aktiv gestalten, zeigte das kürzlich gestartete Projekt „Stadtrebellen“ der kleinen baumeister und des Labyrinth Kindermuseums. Die Projektleitung Jessica Waldera präsentierte erste Ergebnisse einer Stadterforschung, bei dem jeweils eine Kita und Grundschule als Tandem einen Quadratkilometer Stadt in ihrer Umgebung untersuchen. Zum Vorschein kamen ein mobiler Fußgängerüberweg und neonfarbige Gipshände, mit welchen die Kinder auf Missstände in der Stadt hinweisen. Arnold Bischinger, Leiter der Abteilung Kulturelle Bildung der Kulturprojekte Berlin GmbH resümierte über das kürzlich abgeschlossene, über zwei Jahre dauernde Stadtforum Berlin 2030. In dessen Rahmen lud die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt über 100 Schülerinnen und Schüler aus vier Berliner Schulen dazu ein, gemeinsam mit den Künstlern Adam Page und Eva Hertzsch, Folke Köbberling und Seraphina Lenz komplexe Stadtrecherchen vorzunehmen und konkrete Zukunftsvisionen für die Stadt zu entwerfen. Bischinger unterstrich, dass Kulturelle Bildung eine immer wichtigere Rolle in Stadtentwicklungsfragen einnehmen würde und junge Menschen stärker in Planungsprozesse eingebunden werden. Viel zu oft bliebe das Potenzial der Projekte aber noch auf der Strecke und würden sie Diskussionen über die Stadt lediglich ästhetisch lancieren.

Am letzten Tag des Festivals wurde es ernst. Die Jugendlichen erprobten gemeinsam mit den Peanutz Architekten in Kooperation mit Club Real, Complizen, Stiftung Freizeit und Verena Ries konkrete Möglichkeiten, den Alexanderplatz zu erobern. Auf dem Betonplatz zwischen Geschäften und Wurstbuden wurden mit neongelben Buchstaben subversive Botschaften gestreut. Die Max-Planck-Schule machte erneut auf ihre Schließung aufmerksam und wurde inzwischen gerettet. Die Jugendlichen boten den Passanten Umarmungen an, forderten auf zu träumen und zu leben.

Die nächsten Interventionen finden im Frühsommer 2015 statt. Ein ausführlicher TV-Beitrag über das Festival Interventionen wird auf ALEX Das Ereignisfernsehen ausgestrahlt (Alex Livestream: http://www.alex-berlin.de/tv/livestream.html).

Sendetermine:

  • Donnerstag, 25. September 2014, 18:30 Uhr (Wiederholung 29. September 2014, 13:00 Uhr)
  • Montag, 29. September 2014, 18:30 Uhr (Wiederholung 30. September 2014, 13:00 Uhr)

Weitere Informationen zu den Interventionen erhalten Sie hier oder bei Facebook.

Das Festival „Interventionen – Kulturelle Bildung X Stadtentwicklung“ wurde veranstaltet von der Kulturprojekte Berlin GmbH.

Aktion auf dem Alexanderplatz / Foto: Gianmarco Bresadola
Enthalten in

Region: Berlin | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Bericht |