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Nachgefragt bei Dr. Margarete Schweizer: Der neue Wettbewerb „Kinder zum Olymp!“

09.11.2015
Selfie mit dem Bundespräsidenten. Joachim Gauck ist Schirmherr des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp!". / Foto: Stefan Gloede

kultur-bildet.de: In diesem Jahr schreibt die Kulturstiftung der Länder den Wettbewerb „Kinder zum Olymp!“ bereits zum elften Mal aus – mit neuem Konzept. Was hat sich geändert?

Dr. Margarete Schweizer: Der „alte“ Kinder zum Olymp!-Wettbewerb, den wir 10 Jahre lang ausgeschrieben haben, war ein klassischer „Projektwettbewerb“, bei dem wir einzelne Kooperationen zwischen Schulen und unterschiedlichen Kulturpartnern ausgezeichnet haben. In unserer neuen Ausschreibung, dem Wettbewerb um den „OLYMP - Zukunftspreis für Kulturbildung“ geht es nicht mehr um Einzelprojekte, sondern um Programme, die die Bildung von Strukturen fördern, die Kindern und Jugendlichen über Kooperationen zwischen Kultur und Schule höhere Verbindlichkeit und Verlässlichkeit für den Zugang zu den Künsten garantieren. Dabei sprechen wir zum einen die „Kulturseite“ an, das heißt wir fragen die kulturellen Einrichtungen vom Museum über das Theater bis zur Musikschule sowie Künstlerinnen und Künstler nach den Angeboten bzw. Programmen, die sie –  jenseits von Einzelprojekten – für die Arbeit mit Schulen entwickelt haben. Zusätzlich loben wir den „OLYMP - Zukunftspreis für Kulturbildung“ auch für das beste spartenspezifische oder aber spartenübergreifende kulturelle Schulprofil als quasi innerschulische Struktur für kulturelle Bildung aus.

kultur-bildet.de: Welche Entwicklungen in der kulturellen Bildung haben Sie dazu veranlasst, dass Konzept zu verändern? Was erhoffen Sie sich?

Dr. Margarete Schweizer: In den letzten Jahren hat sich die kulturelle Bildung dynamisch entwickelt. Obwohl der Blick auf die Szene nach wie vor den Eindruck großer „Projektitis“ vermittelt, bilden einzelne Kooperationsprojekte zwischen Kultur und Schule, die als solitäre Ereignisse stattfinden und als solche auch eindrucksvoll sind, inzwischen nur noch partiell die Realität kultureller Bildung ab. Sie sind nicht mehr zentrales Thema und entscheidender Impuls für die Weiterentwicklung und ihre strukturelle Verankerung im Schulalltag. Der „alte“ Wettbewerb zeigte uns bereits in den letzten Jahren zunehmend die Tendenz zu Beiträgen, die Teil größerer Programme oder Initiativen in kommunaler, freier oder überregionaler Trägerschaft sind, die als Ganzes für die Entwicklung interessant sind. Die Partner, die der Schule bei ihrem Engagement für verstärkte kulturelle Aktivitäten zur Verfügung stehen, sind dabei äußerst vielfältig und umfassen öffentliche und private, kulturelle und soziale Einrichtungen und Körperschaften. Diesen veränderten Bedingungen tragen wir mit unserer neuen Ausschreibung Rechnung: Im Sinne einer größeren Nachhaltigkeit setzen wir den Schwerpunkt bei der Strukturentwicklung für kulturelle Bildung. Was auch Ihre Frage nach dem, was wir uns erhoffen, beantwortet.

kultur-bildet.de: Wenn Sie heute auf die vergangenen zehn Wettbewerbsrunden zurückblicken… An was erinnern Sie sich besonders gerne zurück? Gab es Highlights?

Dr. Margarete Schweizer: Es gibt viele Dinge, an die ich mich gern erinnere – wobei ich hier zum einen natürlich an die spektakulären Ereignisse wie z.B. die festlichen Preisverleihungen im Konzerthaus Berlin oder in der Berliner Philharmonie denke, bei denen wir auch unseren wunderbaren Preisträgern erstmals live begegneten. Zweimal war auch der Bundespräsident dabei.... Highlight in jedem Kinder zum Olymp!-Jahr war aber eigentlich die „Lesephase“, nachdem alle Projekte eingereicht waren und es darum ging, sich im Team einen Überblick über die eingesandten Beiträge zu verschaffen. Jedes Mal wieder spannend und vor allem oft überraschend und begeisternd die Vielfalt und auch die Qualität, die sich vor uns auftat. Zweites, nach außen etwas sichtbareres Highlight, war dann die jährliche Sitzung der interdisziplinären Jury mit den intensiven Diskussionen innerhalb des Gremiums und der Spannung, wer letztendlich zu den Gewinnern zählen würde. Last but not least soll aber hier auch noch der intensive Austausch mit den Wettbewerbsteilnehmern aus Schule und Kultur in der Anmeldungs- und Bewerbungsphase genannt sein: In vielen Gesprächen haben wir als Wettbewerbsveranstalter viel gelernt über die oft mühsame Praxis der Kunst- und Kulturvermittlung in Kultur- und Bildungseinrichtungen. Aber auch über das, was mit Engagement und guten Ideen möglich ist.

kultur-bildet.de: Abschließend noch ein Blick in die Zukunft: Welche Visionenhaben Sie für die kulturelle Bildung?

Dr. Margarete Schweizer: Ich habe weniger Visionen als Hoffnungen... Zunächst einmal hoffe ich ganz konkret im Zusammenhang mit unserem neuen Wettbewerb, dass er sein Ziel erreicht, nämlich die vielen guten Ideen, die in den letzten Jahren in Kultur und Schule für eine systematische Verbesserung verbindlicher kultureller Bildungsangebote entwickelt wurden, durch die Teilnahme oder auch die Auszeichnung in unserem Wettbewerb bekannt zu machen und andere dadurch zur Nachahmung zu inspirieren und zu motivieren. Dies alles, damit wir unser übergeordnetes Ziel erreichen, durch die Etablierung von Strukturen für kulturelle Bildung aus den Einrichtungen heraus endlich einen verbindlichen Zugang zu den Künsten für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen, der nicht abhängig ist von der sozialen Herkunft, wie es noch leider noch oft der Fall ist. Ich hoffe, dass dieses übergeordnete Ziel keine Vision im Sinne einer Fiktion ist! Ergänzend dazu gehört natürlich die Implementierung kultureller Bildung in die Lehrpläne durch die Verantwortlichen in den Ländern.

Dr. Margarete Schweizer ist Projektleiterin des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp!“.

Weitere Informationen zur aktuellen Ausschreibung erhalten Sie hier.
 
Hier geht's zum aktuellen Flyer des Wettbewerbs!

Dr. Margarete Schweizer / Foto: Stefan Gloede
Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Architektur/Baukultur, Bildende Kunst, Design, Film, Fotografie, Interdisziplinär, Literatur/ Lesen, Medien, Museum, Musik, Soziokultur, Tanz, Theater, Zirkus | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Interview |