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Projekt der Woche #115: TRIMUM

11.04.2016
TRIMUM Familienkonzert / Foto: Holger Schneider

TRIMUM ist ein europaweit einmaliges interreligiöses und interdisziplinäres Gemeinschaftsprojekt. Jüdische, christliche und muslimische Musikerinnen und Musiker, Theologinnen und Kantoren, Komponisten und Wissenschaftlerinnen suchen gemeinsam nach einer „Musik des Trialogs“. Zentraler Begegnungsort und experimentelles Laboratorium ist der TRIMUM-Chor. Hier pflegen Juden, Christen und Muslime eine lebendige Kultur der wechselseitigen „musikalischen Gastfreundschaft“. Darüber hinaus verfügt TRIMUM über ein Instrumental- und Solist*innensemble sowie ein eigenes altersgemischtes und interreligiöses Jugendensemble, das sich einmal jährlich in den Faschingsferien und projektbezogen an zusätzlichen Probenwochenenden trifft.

TRIMUM (lat.: „dreijährig“) war zunächst als ein zeitlich begrenztes Projekt angelegt. Von Herbst 2011 bis Herbst 2014 war es, gefördert durch die Robert Bosch Stiftung, als Musikvermittlungsprojekt unter dem Dach der Internationalen Bachakademie Stuttgart angesiedelt. Die musikalisch-theologische Grundlagenforschung und die kontinuierliche Aufbau- und Vernetzungsarbeit dieser drei Jahre waren so ergiebig, dass nach Ablauf des Förderzeitraums unter allen Akteuren und Projektpartnern der einhellige Wunsch nach einer Fortführung dieser Arbeit bestand. Zu diesem Zweck wurde ein eigenständiger, zu gleichen Teilen jüdisch-christlich-islamisch besetzter TRIMUM e.V. gegründet.

TRIMUM arbeitet parallel auf verschiedenen Ebenen. Auf der Ebene der ästhetischen und theologischen Grundlagenforschung wurden und werden von einem interreligiös und interdisziplinär besetzten Referententeam die Möglichkeiten, Spielräume und Hürden einer musikalischen Begegnung zwischen den drei monotheistischen Religionen ausgelotet. Auf künstlerischer und musikalisch-praktischer Ebene werden sowohl großdimensionierte „trialogische Konzerte“ als auch kleinere interreligiöse Feiern und Gottesdienste gestaltet. Zu diesem Zweck werden neue Kompositionen, Dramaturgiemodelle und Veranstaltungsformate entwickelt. Traditionelle Formen aus allen drei Religionen werden auf behutsame und respektvolle Weise in einen neuen, interreligiösen Kontext gestellt. Auf der Ebene einer religionspädagogischen und „gebrauchsmusikalischen“ Basisarbeit werden Workshops für Schulen, Hochschulen, Gemeinden und Multiplikatoren angeboten. Mittelfristig soll eine Sammlung von interreligiösen Liederheften für unterschiedliche Zielgruppen entstehen.

Viel Zeit und Energie wurde in der Anfangszeit von TRIMUM in die experimentelle Suche nach geeigneten Formen und in den Aufbau eines interreligiösen Teams und Netzwerkes investiert. Während dieser fast zweijährigen Aufbauphase waren die musikalisch-praktischen Aktivitäten zum größten Teil in einem nicht-öffentlichen Schutzraum („Interreligiöses Chorlabor“) angesiedelt. Hier luden sich Juden, Christen und Muslime einmal im Monat zum Mitsingen ein und lernten, ihre musikalischen Traditionen miteinander zu teilen.

TRIMUM vermittelt konsequent zwischen den drei monotheistischen Religionen und ihren Musikkulturen. Deren traditionelle Überlieferungen, aber auch ihre ästhetischen Differenzen und Tabus werden mit größtem Respekt behandelt. Überall dort, wo es theologisch und ästhetisch ohne Substanzverlust möglich ist, werden diese Traditionen miteinander geteilt, wird eine Begegnung und wechselseitige Partizipation auf Augenhöhe angestrebt. Wo hingegen die ästhetischen, religiösen oder politischen Differenzen unüberbrückbar sind, werden solche Bruchstelle sehr deutlich benannt und kenntlich gemacht. Eine wichtige künstlerische Zielsetzung liegt dann darin, gerade auch das Unvereinbare und Widersprüchliche oder die religiös begründete Nicht-Partizipation mit innovativen musikalischen Mitteln zu gestalten.

Im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015 ist TRIMUM erstmals an eine größere Öffentlichkeit getreten. Durch ihre prominente Platzierung und ihr mediales Echo haben diese Veranstaltungen ein breites Interesse an vergleichbaren Initiativen in anderen Städten und Regionen geweckt. Diesen Dezentralisierungsprozess will der TRIMUM e.V. mit entsprechenden Fortbildungen, Impuls- und Beratungsangeboten sowie mit einer Sammlung von Liederheften unterstützen. Für 2016 sind dezentrale Kooperationsprojekte u.a. in Aschaffenburg, Köln, Hamburg, Münster und Würzburg geplant.

„TRIMUM“ ist nominiert für den BKM-Preis Kulturelle Bildung 2016 der Bundesregierung.

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TRIMUM Schulworkshop / Foto: Jane Dunker
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Baden-Württemberg | Sparte: Musik | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |