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Projekt der Woche #157: Jeder Kita einen Künstler

06.03.2017
Im Atelier von Ramona Markstein entstehen farbenfrohe Drucke, z.B. für ein Leporello, Foto: Ramona Markstein
Im Atelier von Ramona Markstein entstehen farbenfrohe Drucke, z.B. für ein Leporello, Foto: Ramona Markstein

"Jeder Kita einen Künstler" ist ein innovatives Programm der Netzwerkarbeit für Kulturelle Bildung im ländlichen Raum. Ziel ist dabei die Förderung von kreativen Angeboten in Kindertagesstätten und die Kooperation zwischen Kitas und Künstlern. Koordiniert durch die Netzwerkstelle Kulturelle Bildung im Kulturraum Vogtland-Zwickau, gehen auf lokaler bzw. regionaler Ebene ansässige Künstlerinnen und Künstler und die Kindertagesstätten vor Ort eine Kooperation ein. Der sächsische Kulturraum Vogtland-Zwickau startete 2013 „Jeder Kita einen Künstler“ als Modellvorhaben und seitdem wächst die Nachfrage seitens der Künstler und der Kitas kontinuierlich.

Wie sieht die konkrete Kooperation zwischen Künstlern und Kitas aus? Gemeinsam entwickeln die bildenden oder darstellenden Künstler oder Musiker mit den Kitas kreative Angebote der frühkindlichen kulturellen Bildung vor Ort. Die Kinder werden bei den jeweiligen Angeboten aktiv eingebunden und können selbst künstlerisch-kreativ tätig werden. Dabei lernen sie den Künstler und seine Arbeit hautnah kennen, so zum Beispiel im Ort Thierfeld, wo die freischaffende Künstlerin Ramona Markstein im Herbst 2016 die Vorschulkinder der örtlichen Kita "Kichererbsen" zum Ausprobieren einfacher Drucktechniken in ihr Atelier, das „Atelier Katz23“, eingeladen hat.

Ulrike Plüschke von der "Kultur bildet."-Redaktion hat Ramona Markstein befragt:

Ulrike Plüschke: Frau Markstein, Sie haben im Herbst 2016 eine Gruppe von Vorschulkindern der Thierfelder Kita "Kichererbsen" mehrfach zu einem Workshop mit dem Titel „einfache Drucktechniken“ in Ihrem Atelier begrüßt und angeleitet – wie ist die Idee hierfür entstanden?

Ramona Markstein: Ich habe in der Kita bereits zu einer Veranstaltung einen kleinen Druckstand vor Ort als kreatives Angebot eingerichtet und festgestellt, dass diese einfache Technik des Drucks gut angenommen wird von den Kindern. Sie lernen ein neues Verfahren, das in wenigen Schritten zu einem sichtbaren Ergebnis führt. Die Prinzipien sind schnell erklärt und vorgemacht und den Kindern bleibt innerhalb der Vorgaben noch genügend Spielraum zum experimentieren.

Über ein Kulturnetzwerk im Landkreis Zwickau lernte ich Frau Geinitz kennen, die das Projekt „Jeder Kita einen Künstler“ vorstellte und Teilnehmer suchte. Als Wiedereinstieg in die Hauptberuflichkeit nach 2 Jahren Elternzeit war Ende 2016 der ideale Zeitpunkt mit einer Kita zusammen zu arbeiten, die auch meine Kinder besuchen. Es besteht ein gutes Verhältnis zur Leitung und den Angestellten, also fiel die Idee auf fruchtbaren Boden, den Kindern ortsnah ein gestalterisches Angebot zu schaffen. Zum einen haben sie so einen kleinen Einblick in die Arbeit im Atelier und können zum anderen selbst aktiv werden außerhalb des Kita-Alltags. Den Workshop habe ich für die Vorschulgruppe, in die auch mein Sohn geht, konzipiert.

Wie gehen Sie an die Vermittlung von Drucktechniken an 5 bis 6-jährige Kinder heran? Haben Sie selbst eine pädagogische oder kunstpädagogische Ausbildung?

Nach meinem Architekturstudium habe ich eine Sonderpädagogische Zusatzausbildung gemacht und begleite seit Jahren Kunstkurse und Workshops für Menschen mit Behinderung als freischaffende Künstlerin. Meine Abschlussarbeit 2006 habe ich über einen „Kunstkurs als arbeitsbegleitende Maßnahme“ verfasst.

Zudem konnte ich 2016 an einer Fortbildung zum Thema Pädagogik und Didaktik für Künstler, Kunst-, Kulturvermittler, Interessierte teilnehmen, die sehr vielseitige Methoden und Praxisbeispiele zum Thema bereithielt.

Kinder im Vorschulalter sind natürlich eher lebhaft und so habe ich die Zeit für bloße Erklärungen auf ein Mindestmaß beschränkt um mehr über Zeigen, Ausprobieren und eigene Rückschlüsse der Kinder die Technik zu vermitteln. Viel davon läuft über die Sinne, vor allem optisch und haptisch: sehen und nachmachen, anfassen, bewegen, Kraft dosieren etc. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Tun werden am Ende nochmal zusammengetragen und hervorgehoben. Aktion mit Kognition verbinden.

Wie ist der Ablauf der jeweils 45-minütigen Besuche der Kindergartengruppe in Ihrem Atelier? Wie ist die Rollenverteilung zwischen Ihnen und der begleitenden Kindergarten-Erzieherin?

Nachdem die Gruppe von ca. 6 bis 8 Kindern den Fußmarsch in Begleitung der Erzieherin von ca. 15 min von der Tagesstätte in mein Atelier bewältigt hat, wird die Straßenkleidung abgelegt und die „Arbeitskleidung“ angelegt – erwartungsvoll tauchen sie in die Atelier-Atmosphäre ein.

Als Einleitung erkläre ich was wir vorhaben, zeige Beispiele und Arbeitsmaterialien und eine grobe Zielstellung für das Ende der Lektion. Die Kinder sind oft begierig loszulegen, mit den Rollen Farbe aufzutragen, die Nudelhölzer und die Presse zum Drucken zu betätigen und man muss sie fast etwas bremsen, damit erst mit dem selbstständigen Drucken begonnen wird, wenn alle Abläufe klar sind. Nach ersten Versuchen, ja auch kleinen Pannen, wissen alle soweit wie man am besten zu einem guten Druckergebnis kommt und einige beginnen mit dem Material, den Farben und der Technik zu experimentieren.

Die Erzieherin hilft beim Disziplinieren, probiert selbst und taktet die Kinder ein, damit z.B. an der Druckpresse, die nur unter meiner Aufsicht bedient wird, kein Gedränge entsteht. Ich bin für die fachlichen Anweisungen zuständig, die Erzieherin für die pädagogischen. Doch es ist keine starre Rollenverteilung, denn die Erzieherin hilft auch beim Vermitteln der Technik und ich schaue mit dass Streitigkeiten schnell geklärt werden können.

Es herrscht reges Arbeiten, Druckvorlagen, Blätter, Textilen hinterlassen ihre Spuren auf Papier; Freude über gelungene Drucke, auch mal Bedauern, wenn etwas verrutscht ist. Aus manchen Fehlern lässt sich am Ende doch noch was zaubern, wenn man einfach den Mut hat dranzubleiben und kurzerhand was anderes daraus macht.

Zum Schluss gibt es eine kleine Zusammenfassung und nachdem bunte Hände wieder sauber sind, sich die Kinder der Arbeitskleidung entledigt haben und bereit für den Rückweg sind, stibitzt sich noch jeder einen Apfel aus dem heimischen Garten.

Natürlich interessiert uns auch, wie das Angebot von den Kindern wahrgenommen wird. Wie ist das Feedback? Können Sie sich auch vorstellen, 2017 wieder ein solches Angebot für die örtliche Kita zu gestalten?

Die Kinder sind sehr engagiert bei der Sache, begreifen schnell die einzelnen Arbeitsschritte, haben wenig Berührungsängste und arbeiten gegen Ende immer selbstständiger und mit eigenen Ideen. Manche muss man fast zum Aufhören zwingen wenn es an den Nachhauseweg geht. Nur wenige brauchen Ermunterung an der Farbwalze, dem Nudelholz oder der Presse zu arbeiten, denn das Drucken ist mit viel Bewegung und Spaß verbunden. Von einigen Eltern kommt Feedback, dass die Kinder begeistert von ihrem Ausflug ins Atelier berichten.

Vielleicht lässt sich 2017 über eine Kleinprojekteförderung wieder so ein Workshop bestreiten.

Vielen Dank!

Weitere Informationen zum Programm "Jeder Kita einen Künstler"

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Alle bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

 

Fertige Karten zum Trocknen auf der Leine, Foto: Ramona Markstein
Fertige Karten zum Trocknen auf der Leine, Foto: Ramona Markstein
Kategorie: 
Allgemeine News
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Region: Sachsen | Sparte: Bildende Kunst | Thema: Frühkindliche Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |