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Projekt der Woche #161: Alt aber oho!

03.04.2017
Das Stadtarchiv ist wichtiger Anlaufpunkt bei der Erkundung von Wilhelmshavens Geschichte, Foto: Projektteam "Alt aber oho!"
Das Stadtarchiv ist wichtiger Anlaufpunkt bei der Erkundung von Wilhelmshavens Geschichte, Foto: Projektteam "Alt aber oho!"

Unter dem Titel „Alt aber oho“ beschäftigt sich ein Verbund von Schulen mit historischen Bauten, die das Gesicht norddeutscher Städte und Gemeinden prägen. Das Projekt findet Rahmen des Schulprogramms "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz statt.

Das Team der IGS Wilhelmshaven begibt sich unter dem Motto „Alt aber oho! Erfahre deine Stadt. Eine historische Rallye durch Wilhelmshaven“ im Schuljahr 2016/17 auf eine historische Rallye durch die Marine- und Hafenstadt. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen setzen sich mit geschützten oder schützenswerten Wahrzeichen, Wohnhäusern und Parkanlagen auseinander. Sie gehen - u.a. per Fahrrad - auf Spurensuche und erforschen, welche Bedeutung diese Denkmale für die Stadt um die Jahrhundertwende hatten und wie sie sich bis heute entwickelt haben.

Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion hat die Projektverantwortliche Steffi Hartmann, Fachbereichsleiterin Gesellschaft an der IGS Wilhelmshaven zum Projekt befragt:

Ulrike Plüschke: Frau Hartmann, wie ist die Idee für das Projekt entstanden und auf welche Weise gehen die Schülerinnen und Schüler auf Ihrer historischen Rallye durch Wilhelmshaven auf Erkundungstour?

Steffi Hartmann: Da ich selber nicht aus Wilhelmshaven stamme, hier aber herzlich aufgenommen wurde, ist es für mich eine zweite Heimat geworden, die leider keinen allzu guten Ruf genießt – auch bei Schülern nicht. Dies wollte ich unbedingt ändern und habe mich von meinen Kolleginnen Nina Helmerichs und Anke Theiler inspirieren lassen, die mit Schülern eine Brosche mit dem Titel „Wilhelmshaven – I like!“ erstellt haben. Da ich Geschichtslehrerin bin, lag es daher nahe, etwas zur Geschichte der Stadt zu machen. In einem Gespräch mit dem Leiter des Stadtarchivs wurde dann die Idee geboren, adressatengerecht die Schülerinnen und Schüler auf eine Schnitzeljagd durch die Stadt zu schicken.

So wurden kleinere Rätsel gestellt, die zu den jeweiligen Orten führten, die von den Schülern dann mit ihrem Fahrrad „erfahren“ werden mussten. Vor Ort entwarfen die Neunt- und Zehntklässler dann Skizzen, machten Selfis, untersuchten angebrachte Tafeln oder sprachen mit Passanten.

Welches Projektziel bzw. -ergebnis streben Sie an?

Ziel des Projektes soll es vor allem sein, die Schüler für ihre Stadt zu interessieren. Wilhelmshaven ist eine geschichtsträchtige Stadt mit vielen schönen Flecken und hier ist nicht nur der Südstrand zu nennen.

Des Weiteren stehen die Schülerinnen und Schüler des neunten und zehnten Jahrgangs vor der Entscheidung, wie es nach dem Abschluss weitergehen soll. Mache ich das Abi? Gehe ich studieren? Bleibe ich in Wilhelmshaven? Der Gang in Archive ist etwas völlig Fremdes für sie. Die Arbeit im Stadtarchiv soll ihnen zeigen, wie die Quellen in ihre Geschichtsbücher kommen, wie der Historiker zu seinen Ergebnissen gelangt und wie man selbst Schlüsse aus alten Überresten gewinnen kann.

Ist die Angst erst einmal abgebaut, steht einer Karriere als Spurensucher nichts mehr im Wege.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie im Rahmen des Projekts zusammen?

Wir haben hier in Wilhelmshaven das große Glück, dass sich viele Mitarbeiter der ansässigen Bildungseinrichtungen äußerst kooperativ und aufgeschlossen zeigen. In der Vergangenheit haben wir viele tolle Projekte mit dem Küstenmuseum bestreiten können. Die Idee für dieses Projekt stammt eigentlich aus einer Zusammenarbeit der letzten Jahre mit dem Stadtarchiv und dem Wunsch dieses stärker in das Bewusstsein der Schüler - auch für ihre Facharbeiten, die sie in JG 12 schreiben müssen - zu bringen. Herr Räcker-Wellnitz zeigt sich immer wieder als ein sehr engagierter und verständnisvoller Partner und betreut die Schülerinnen und Schüler mit Leib und Seele.

Eine Kooperation mit dem Wattenmeerhaus ist bereits seit längerem angedacht und konnte nun durch das Engagement von Herrn Staves in die Tat umgesetzt werden. In gemeinsamen Treffen wurde ein Workshop-Programm zusammengestellt, dass den Schülern nicht nur Einblicke in das Großökosystem Wattenmeer geben, sondern diese auch für Naturschutz und nachhaltigen Tourismus sensibilisieren soll.

Könnten Sie bitte beispielhaft skizzieren, wie Sie methodisch vorgehen? Welche Formen der Auseinandersetzung nutzen die Schülerinnen und Schüler besonders gern?

Die methodische Umsetzung des Projektes ist vor allem durch die Entscheidungsfreiheit der Schüler bestimmt. Zwar wird durch kürzere Rätsel und kleinere Arbeitsaufträge eine Annäherung an die jeweiligen Denkmale begleitet. Die Schülerinnen und Schüler waren aber in der Auswahl ihrer Recherchegegenstände völlig frei. Auch die Schwerpunkte und die Wahl einer Präsentationsform konnten von den Schülern eigenständig bestimmt werden. So wurde u.a. eine Homepage entworfen, ein Modell des Hafens mit kleinen Rätseln erstellt und zahlreiche aufwändig gestaltete Plakate ausgearbeitet. Die Arbeit im Stadtarchiv erfolgte selbstständig und ohne die Anwesenheit einer Lehrkraft, sodass sich die Schüler selbst einteilen konnten, wann sie dort arbeiteten und wann nicht.

Für den Workshop im Wattenmeerhaus ist allerdings eine engere Betreuung angedacht.

Welche Zwischenergebnisse sind bereits entstanden und welche Projektetappen liegen im zweiten Schulhalbjahr noch vor Ihnen?

Eine erste Teiletappe ist bereits erreicht. Die Schülerinnen und Schüler wählten einen für sich interessanten Ort aus (u.a. wurden die Kaiser-Wilhelm-Brücke, der Geniusstrand mit dem JadeWeserPort und die Koppenhörner Mühle ausgewählt), wälzten dazu im Stadtarchiv unter der Anleitung von Herrn Räcker-Wellnitz Akten, alte Bilder, Baupläne, Zeitungsartikel u.v.m. und erstellten in Kleingruppen selbsterklärende Präsentationen, die am 25.1.2017 der Schulöffentlichkeit und vor allem den Eltern vorgestellt wurden. Hier stach vor allem ein Schüler heraus, der in der kurzen Zeit bereits eine Internetseite erstellt hatte, die nicht nur über sein Projekt, sondern auch über unsere Schule und den Wahlpflichtbereich informierte. Zudem unternahmen wir am 1.3.2017 eine Exkursion zur Klosterschule nach Hamburg, um uns dort die Schülerergebnisse anzuschauen und in einen Austausch zu treten.

Da die Zehntklässler kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, werden sich die Teilnehmer des Projektes zum Ende des zweiten Halbjahrs ändern. So ist für die restlichen Schüler geplant, an einem ganztägigen Workshop im Wattenmeerhaus teilzunehmen, der sich mit dem Wattenmeer und seiner touristischen Nutzung beschäftigen wird. Hier werden kleine Exkursionen zu den Seehundbänken und an den Südstrand unternommen, Interviews mit ansässigen Unternehmen geführt und ausgewertet und über Formen von nachhaltigem Tourismus recherchiert und diskutiert. Die besten Ergebnisse dürfen dann im Wattenmeerhaus ausgestellt werden.

Das Projekt findet im Verbund mit Schulen und Partnern aus Städten wie Hamburg oder Berlin statt. Könnten Sie bitte noch kurz darauf eingehen?

Dr. Dobers von der Klosterschule in Hamburg nimmt bereits seit vielen Jahren am Schulprogramm „denkmal aktiv“ teil und ist quasi die graue Eminenz des Verbundes. Seine Schüler bestreiten zum wiederholten Male mit ihm den Gang in die Geschichte und sind schon echte Profis, die bei dem gegenseitigen Besuch am 1.3.2017 den Schülerinnen und Schülern aus Wilhelmshaven viele hilfreiche Tricks und Tipps verraten konnten.

Darüber hinaus wird im Rahmen des Schulprogramms ein Erfahrungsaustausch ermöglicht, der dieses Jahr in Georgsmarienhütte stattfand. Hier konnte der Grundstein für weitere Projekte mit Frau Boskamp von der Partnerschule Droste-Hülshoff-Gymnasium in Berlin und Frau Schlicht vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek gelegt werden. Den Schülerinnen und Schülern wurde in Georgsmarienhütte ein Einblick in die Arbeit mit historischen Baustoffen ermöglicht. Fernab von ihren Lehrern konnten sie gemeinsam mit anderen Schülern Maurerarbeiten, Drechseln, Metallarbeiten u.v.m. im Freilichtmuseum Mühlenhof kennenlernen.

In Zukunft sollen auch über das Schulprogramm hinaus gemeinsame Workshops stattfinden, da von allen Teilnehmern der Austausch und die gemeinsame Zusammenarbeit als äußerst fruchtbar wahrgenommen wird.

Vielen Dank!

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Weitere Informationen

IGS Wilhelmshaven

Stadtarchiv Wilhelmshaven 

UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum

Schulprogramm "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Präsentation der Projektergebnisse z.B. zum JadeWeserPort beim Elternabend im Januar 2017, Foto: Projektteam "Alt aber oho!"
Präsentation der Projektergebnisse z.B. zum JadeWeserPort beim Elternabend im Januar 2017, Foto: Projektteam "Alt aber oho!"
Kategorie: 
Allgemeine News
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Region: Niedersachsen | Sparte: Architektur/Baukultur | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |