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Projekt der Woche #204: TrickTruck goes Block

12.02.2018
Alle können sich eigene Figuren für den Film ausdenken, Foto: Silke Mayer
Alle können sich eigene Figuren für den Film ausdenken, Foto: Silke Mayer

Geschichten erfinden, Figuren entwerfen, Ideen zum Leben erwecken: Im Trickfilm sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Bewegliche Ziele e.V. und KUKI – das internationale Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche Berlin bringen nun schon zum dritten Mal die Animationskunst an Berliner Schulen. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Marzahn, heißt es nun TrickTruck goes Block 3.0: Mit einem fahrenden Animationsstudio kommt der Trick Truck in die Berliner Gropiusstadt, einem Wohnblickviertel im Süden Berlins. Durch die Förderung des Berliner Projektfonds für kulturelle Bildung und zapf Umzüge sowie in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement Gropiusstadt finden an Schulen im Berliner Süden Animationsworkshops für Schulklassen statt. Von Januar bis April 2018 werden sechs Kurse an jeweils fünf Tagen durchgeführt. In den Workshops lernen Kinder und Jugendliche, selbst einen Trickfilm zu animieren. Von der Idee zum Drehbuch, von der Bastelei zum Bewegtbild – der kreative Prozess liegt vollständig in den Händen der jungen Teilnehmer*innen. Angeleitet werden die Kurse von professionellen, pädagogisch erfahrenen Animationskünstler*innen. Es entstehen sechs Filme, die sich an dem thematischen roten Faden "Hoch Hinaus" und "Wir sind Gropiusstadt" orientieren. Aus den kurzen Filmen wird am Ende ein langer Episodenfilm, der nach seiner Fertigstellung im Bezirk Premiere feiert.

Projektleiter Cord Dueppe wurde von "Kultur bildet."-Redakteurin Ulrike Plüschke befragt.

Ulrike Plüschke: Herr Dueppe, wie ist die Idee für „Trick Trick goes Block“ entstanden und welche inhaltlichen Ziele haben Sie sich mit dem fahrenden Animationsstudio gesetzt?

Cord Dueppe: Nachdem zapf Umzüge in 2008 schon Sponsor des KUKI Festivals war, überlegten wir, wie man die Kooperation erweitern könnte, um speziell Kinder aktiv in das Festival einzubeziehen. Relativ schnell kam dann die Idee auf, einen Animationsworkshop während des Festivals anzubieten und weil es keine geeignete Location gab, bot zapf Umzüge an, einen Überseeumzugskontainer in ein mobiles Animationsstudio umzubauen. Auf dem KUKI Festival 2012 feierte der umgebaute Umzugswagen seine Premiere. Im Nachmittagsprogramm des Festivals konnten Kinder hier unter professioneller Anleitung einen eigenen Film umsetzen. Seitdem parkt die ‘kreative Blechbüchse’ jedes Jahr vor dem Festivalkino des KUKI Festivals und in jedem Jahr entstehen mehrere Legetrick Animationsfilme während der Festivalwoche.

Im Jahre 2015 wurde der Umzugskontainer auch als rollendes Animationsstudio in 6 Marzahner Schulen zur ersten Ausgabe des TrickTruck Goes Block eingesetzt. Es stellte sich aber heraus, dass die logistischen Anforderungen, wie z.B. einen geeigneten Stellplatz auf dem Schulgelände zu finden und die Schwierigkeit den Kontainer zu beheizen, zu hoch sind, so dass wir im zweiten und dritten Jahr dazu übergingen, nur noch die Tricktische in die Schulen zu fahren und dort in einen Klassenraum zu stellen.

Durch das Gestalten eines Animationsfilms können Kinder und Jugendliche an das Medium Film ohne Hemmschwelle herangeführt werden. Zum einen baut die Gestaltung von Animationsfilmen auf vom Basteln/Zeichnen vertraute Techniken auf. Die Teilnehmer können mit verschiedenen Materialien arbeiten, es ist Legetrick mit Ausschneiden, Knettrick, Puppentrick, aber auch Zeichentrick möglich. Zum anderen ist bildhaftes Erzählen – das für die Gestaltung von Animationsfilmen grundlegend ist – in der Regel bereits durch Bilderbücher und Comics bekannt. Die Teilnehmer können also auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen und werden in ihrer kreativen Arbeit bestärkt, denn bei Animationen sind der Fantasie der Ideen und dem möglichen Material keine Grenzen gesetzt, alles kann im Film benutzt werden. Somit öffnete der Workshop den Blick das Medium Film nicht nur als Spielfilm wahrzunehmen, sondern der Kreativität keine Grenzen zu setzen. Die Teilnehmer werden während des Workshops vor verschiedene Herausforderungen gestellt:

• Sie arbeiten gezielt an einem abgeschlossenen Projekt, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig gestellt werden muss. Am Ende wird das „Produkt“ einem großen Publikum gezeigt. Die Teilnehmer lernen sich zu organisieren und bekommen Anerkennung für die geleistete Arbeit.

• Die Teilnehmer arbeiten in einer Gruppe, müssen sich somit immer wieder untereinander austauschen und die Arbeitsprozesse koordinieren. Der Teamgeist wird hiermit gestärkt, sowohl innerhalb der eigenen kleinen Gruppe, als auch mit anderen die am selben Projekt arbeiten

• Da der Film von verschiedenen, sich abwechselnden Workshopteams (Vorbereitung, Vertonung, Animation etc.) gestaltet wird, sind alle Teilnehmer Teil eines großen gemeinsamen Arbeitsprozesses.

• Die Medienkompetenz der Teilnehmer wird durch das eigene Gestalten eines Animationsfilms erweitert, der langwierige Prozess des Filmemachens wird erklärt und an das kreative Arbeiten mit den verschiedensten Materialen herangeführt.

Durch den Workshop werden auch Erzieher und Lehrer an den Animationsfilm herangeführt und können diese Technik in ihren Unterricht aufnehmen.

Wer kann teilnehmen? Werden die Workshops als Projektwochen direkt an den Schulen durchgeführt? 

Grundsätzlich könnten alle interessierten Schulen einen Workshop buchen, allerdings kostest dies für jede Schule 1.800 Euro für 5 Tage Workshop inklusive der Trickfilmtische und Workshopleiter und Assistenz. Die 6 Workshops, die wir zurzeit in der Gropiusstadt in Neukölln in Partnerschaft mit dem Quartiersmanagement Gropiusstadt anbieten, werden vom Projektfonds für kulturelle Bildung komplett getragen. Es entstehen hier keine Kosten für die 5 beteiligten Schulen. Wir liefern dazu Montagmorgen die Trickfilmtische mit freundlicher Unterstützung der Firma Zapf Umzüge in die Schulen und dort arbeiten die Schüler bis Freitagnachmittag jeden Tag für etwa 4 Stunden an den Animationen. Es entsteht ein etwa 4-5-minütiger Film in jedem Kurs.

Wie ist das Feedback nach den ersten zwei Jahren im Stadtteil Berlin-Marzahn und welche Impulse nehmen Sie für die dritte Edition in der Gropiusstadt mit?

Diese Workshops werden unglaublich gut von den Schülern aufgenommen. Die Kinder machen durch so einen Kurs mal Urlaub von ihrem Alltag oder regulären Schulprogramm, und diese Workshops sind für die Kinder auf jeden Fall eine große Bereicherung. Sie bringen sie zum Lachen und Staunen, öffnen sich und erzählen von kleinen und großen Herausforderungen wie z.B. dem Umgang mit Krankheit. Vor allem stecken die Filme an, selbst kreativ zu werden.

Über die Themenstellung "Hoch hinaus” wollen wir versuchen, eine Auseinandersetzung mit der direkten Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Dabei sollen auch aktuelle Entwicklungen im Stadtteil aufgegriffen werden. So sind in das engere oder weitere Umfeld der teilnehmenden Schulen viele „neue“ Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und sozialen Erfahrungen zugezogen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Themen wie dem „Anders sein“ und „Gemeinsamkeiten finden“ ist wichtig, um aus „die da“ und „wir hier“ ein „Wir sind Gropiusstadt“ werden zu lassen. Die Arbeit soll auch eine positive Identifikation und Beteiligungsorientierung steigern. Partner der Schulen aus den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit werden mit ihren Erfahrungen in den Prozess über unterschiedliche Vernetzungsstrukturen vor Ort ebenfalls eingebunden.

Wo können die entstandenen Filme angesehen werden?

Zum einen entsteht am Ende der 6 Workshops eine professionelle DVD mit allen Filmen, die zur gemeinsamen Präsentation am 28.6. im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, fertiggestellt wird. Bei dieser Präsentation werden alle 6 Filme auch auf der großen Leinwand gezeigt und gefolgt von einem Gespräch mit den ‘Filmmachern’. Zum anderen leben die Filme weiter auf unserer Webseite. Hier kann man auch die Filme aus den vergangenen Editionen immer noch schauen. 

Weitere Informationen

kuki-berlin.com

Filme, die 2017 während des Projekts "TrickTruck goes Block" entstanden: http://www.interfilm.de/kuki2017/tricktruck/tricktruck-goes-block.html

Dann werden Fotos gemacht, Foto: Silke Mayer
Dann werden Fotos gemacht, Foto: Silke Mayer
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Berlin | Sparte: Interdisziplinär, Medien | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |