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Projekt der Woche #210: Im Glashaus gefangen zwischen Welten

26.03.2018
Deva Manick, Foto: Stephan Schmick
Deva Manick, Foto: Stephan Schmick

Der 1987 in Ratingen geborene deutsch-tamilische Autor Devakumaran Manickavasagan (Deva Manick) thematisiert in seinem Buch "Im Glashaus gefangen zwischen Welten. Ein Leben zwischen zwei Kulturen" auf Grundlage seiner eigenen Erfahrungen das Leben von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland zwischen zwei Kulturen aufwachsen. Seit 2017 geht Deva Manick bundesweit mit seinem Programm "Identitätsreise – Wer bin ich wirklich" auf Lese- und Vortragsreise und tritt dabei zum Beispiel in den direkten Dialog mit Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern.

Deva Manick wurde von "Kultur bildet."-Redakteurin Ulrike Plüschke befragt.

Herr Manickavasagan, wie ist die Idee für das Buch und die begleitende Vortragsreise entstanden?
Da erinnere ich mich heute noch gerne an den einen entscheidenden Moment, der den Grundstein für meine heutige Leidenschaft und Mission legte. Mit 24 Jahren zerbrach mein komplettes inneres Kartenhaus, das ich mir bis dahin aufgebaut hatte, innerhalb kürzester Zeit. Ich hatte mir ein Leben aufgebaut und bin einem Weg gefolgt, der anderen aus meinem Umfeld (Familie, Freunde, Gesellschaft) gefiel, der aber überhaupt nicht zu mir passte. Mit dem Zusammenbruch begann die Reise zu mir selbst und die Erkenntnis, dass ich einer von vielen Tausenden jungen Menschen war, der mit einer "Maske" herumlief, ohne zu wissen, wer ich eigentlich wirklich war. Mein inneres Glashaus war kaputt, und ich musste ein neues aufbauen – ein eigenes. Hierzu wollte ich aber anderen Betroffenen, die sich ebenfalls in einer solchen Situation befinden und zwischen den Welten wandern, Hilfestellung geben – eine Art Spiegelbild ihrer eigenen Seele. Und so entstand das Werk und gleichzeitig das Programm der Identitätsreise, mit dem ich, unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund, alle jungen Menschen abhole, die sich in jungen Jahren bereits eine "Maske" aufsetzen müssen, die sie eigentlich gar nicht tragen wollen.

Könnten Sie bitte genauer auf den titelgebenden Begriff "Im Glashaus2 eingehen.
Während ein Haus für Sicherheit und Geborgenheit steht, steht das Glashaus genau für das Gegenteil. Es ist zerbrechlich, und von außen ist für Betroffene sichtbar, welche Welten auf sie warten. Als jemand, der zwischen den Welten und Kulturen wandert, muss man aufpassen, dass dieses Glashaus nicht kaputt geht – man darf also nicht mit Steinen werfen.

Was möchten Sie bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern erreichen?
Meine große Vision für Deutschland ist es, dass es keine Amokläufe mehr in Schulen gibt. Und genau das ist der Kernpunkt des Identitätsprogramms, dass Schüler ein Grundhandwerkszeug an die Hand bekommen, das sie in emotionalen Krisensituationen stark macht, sodass sie nicht aufgeben. Es hilft ihnen, sich selbst zu erkennen und an sich zu glauben. Hierfür öffne ich mich auf der Bühne und vermittle innerhalb von neunzig Minuten, dass es nicht falsch ist, verletzte Gefühle zu haben – auch als Mann – und diese zu behandeln. Verletzte Emotionen zu erkennen, Heilung zu erfahren und seinen eigenen Weg zu gehen, das ist die Botschaft. Die Betonung liegt auf „seinen eigenen Weg“!

Was können Lehrerinnen und Lehrer aus Ihren Veranstaltungen mitnehmen?
Sie erhalten einen Einblick in die Seele und die Gedanken eines ehemaligen „Rüpelschülers“, bei dem sich so mancher Lehrer heute noch die Haare raufen würde, hätte er mich als Zwölfjährigen im Unterricht. Bis zur siebten Klasse hatte ich diesen Status inne – bis zu meinem schulischen Wendepunkt als Jahrgangsbester. Durch diesen Einblick werden Lehrer sensibilisiert, wie sie Schüler erreichen können, die ihnen aktuell Kopfschmerzen bereiten, und wie sie sich vor allem emotional in sich gekehrten Schülern nähern.

Wie sind die Rückmeldungen der bisherigen Teilnehmenden und wie können Interessierte Sie für einen Vortrag gewinnen?
Wenn ich ehrlich bin, bin ich heute immer noch überwältigt, dass mir pubertierende Schüler in einer so großen Zahl konzentriert eine Stunde lang zuhören. Die anschließenden dreißig Minuten sind für den Veränderungsprozess bei den Schülern entscheidend, denn hier schaffe ich eine Atmosphäre, bei der sich der Einzelne öffnet und dabei vergisst, dass um ihn herum einhundertfünfzig weitere Schüler sitzen. Das verschafft mir die Bestätigung, dass ich bei demjenigen etwas bewirkt habe. Interessierte Schulen erreichen mich am besten über meine E-Mail-Adresse: info@imglashaus.com. Gemeinsam finden wir dann einen Termin.

Vielen Dank!

Weitere Informationen

www.devamanick.com              

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Einen Überblick über die bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.  

Deva Manick liest aus seinem Buch, Foto: Rechte beim Autor
Deva Manick liest aus seinem Buch, Foto: Rechte beim Autor
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Bundesweit | Thema: Altersübergreifend, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Projekt der Woche |