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"ZukunftsGut": Bis 31. März Bewerbungen für Preis für institutionelle Kulturvermittlung möglich - Hintergrundbeitrag von Birgit Mandel

06.02.2018

Der Preis der Commerzbank-Stiftung für institutionelle Kulturvermittlung ZukunftsGut richtet sich an Kulturinstitutionen in Deutschland, die Vermittlung als zentrale gemeinschaftliche Aufgabe für sich erkannt haben und ausfüllen. Er zeichnet zukunftsweisende Strategien der Kulturvermittlung und ihre nachhaltige Verankerung aus. Der Preis möchte dazu beitragen, den Stellenwert von Kulturvermittlung als Kern- und Querschnittsfunktion in den Einrichtungen zu stärken und Transformationsprozesse zu unterstützen.

Angesprochen sind insbesondere Museen, Theater, Konzerthäuser oder Literaturhäuser, die Vermittlungsprogramme entwickeln, um ihre Artefakte und Produktionen einem breiten, diversen Publikum zugänglich zu machen. Gemäß der Förderstrategie der Commerzbank-Stiftung konzentriert sich ZukunftsGut auf das künstlerische kulturelle Erbe – hier in den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater sowie Kulturgeschichte.

Im Sinne der Idee des "Shared Heritage" sollen insbesondere solche Vermittlungsprogramme in den Blick genommen werden, die materielles und immaterielles kulturelles Erbe als gemeinschaftliches Gut begreifen, dessen Bedeutung von unterschiedlichen Öffentlichkeiten immer wieder neu auszuhandeln ist. ZukunftsGut wird erstmalig im Europäischen Kulturerbejahr 2018 verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Das Preisgeld versteht sich als relevanter fördernder Beitrag für die strategische Weiterentwicklung und Institutionalisierung der Vermittlungsarbeit in der Preisträger-Einrichtung.

Im Rahmen der Preisverleihung am 12. September 2018 veranstaltet die Commerzbank-Stiftung eine öffentliche Fachtagung zur Vermittlung kulturellen Erbes in Institutionen.

Einsendeschluss ist der 31. März 2018

Weitere Informationen und Bewerbungsformular https://www.commerzbank-stiftung.de/de/commerzbank_stiftung/foerderbereiche/kultur_1/zukunftsgut.html

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Beitrag von Prof. Birgit Mandel:

ZukunftsGut - Kulturvermittlung als Gesamtstrategie in Kultureinrichtungen verankern und Kulturerbe auf seine Relevanz für aktuelle Anliegen hinterfragen

Birgit Mandel ist Professorin für Kulturmanagement und Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Stiftungsratsmitglied der Commerzbank-Stiftung sowie ZukunftsGut-Jurymitglied. Der nachfolgende Beitrag von Birgit Mandel ist zuerst erschienen in der Ausgabe 1/2018 von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates (zum PDF-Download):

K ulturvermittlung hat in den letzten 15 Jahren in Deutschland deutlich an Interesse und Bedeutung in Kultureinrichtungen gewonnen. Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel und insbesondere die Sorge vor einer Überalterung des Publikums sowie kulturpolitische Forderungen nach einem chancengerechteren Zugang zu öffentlichen Kulturangeboten und der Anspruch an Kultureinrichtungen, sich für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen zu engagieren.

Inzwischen gibt es vielfältige Workshop-Angebote für Schulklassen; Einführungen, Nachgespräche, moderierte Aufführungen für unterschiedliche Zielgruppen; "Bürgerbühnen" eröffnen aktive ästhetische Erfahrungen, Outreach-Formate machen klassische Kultur im öffentlichen Raum oder im digitalen Kulturraum zugänglich, immersive Inszenierungen schaffen außergewöhnliche, emotionale Zugänge. Obwohl fast alle Kultureinrichtungen in den letzten Jahren vielfältige Vermittlungsaktivitäten entwickelt haben, beklagen die zuständigen Vermittler, dass sie oft nicht in die Entwicklung von künstlerischen Programmen eingebunden und in der Hierarchie den künstlerischen Abteilungen nachgeordnet sind, dass ihr Budget vergleichsweise gering ist und sie für ihre Vermittlungsaktivitäten häufig Drittmittel akquirieren müssen.

Offensichtlich braucht es noch weitere Impulse, um Kulturvermittlung nicht nur als "Add-on", sondern als integrativen Bestandteil des "Kerngeschäfts" von Einrichtungen zu verankern. Hier setzt der Preis "ZukunftsGut" der Commerzbank-Stiftung mit dem Fokus auf Kulturvermittlung als abteilungsübergreifender Strategie einer Institution an. Denn obwohl es inzwischen einige Preise für herausragende Projekte kultureller Bildung, vor allem mit Fokus auf die Zielgruppen Kinder und Jugendliche, gibt, existierte im deutschsprachigen Raum bislang kein Preis, der sich mit der strukturellen und strategischen Qualität der Kulturvermittlung von Institutionen befasst und diese auszeichnet. Gemäß der Förderstrategie der Commerzbank-Stiftung werden dabei Kultureinrichtungen adressiert, die sich mit der Vermittlung von kulturellem Erbe im weitesten Sinne in den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater sowie Kulturgeschichte beschäftigen.

Dabei wird das von der EU-Kommission initiierte "Europäische Kulturerbejahr 2018" zum Anlass genommen, um mit dem Preis Kulturerbe-Vermittlung im Sinne eines »Shared Heritage« aufzugreifen und zu hinterfragen: Warum, wie und von wem werden bestimmte Artefakte in den Rang eines für die Gesellschaft wertvollen Kulturerbes erhoben? Welche Bedeutungen sind darin eingeschrieben und wie werden diese verändert durch neue Perspektiven? Wie wird kulturelles Erbe Gemeinschaft stiftend, wie wird es relevant für den Einzelnen?

Mit dem Preis sollen solche Vermittlungsprogramme in den Blick genommen werden, die kulturelles Erbe als gemeinschaftliches Erbe auf seine Bedeutung für aktuelle Fragen einer Gesellschaft und unter aktiver Teilhabe verschiedener Teilöffentlichkeiten befragen. Zentrale Dimensionen einer solchen Vermittlung wären z. B. die Kooperation mit bislang nicht erreichten Gruppen; der Einfluss, den neue Ziel- und Anspruchsgruppen auch auf die Programmauswahl haben und die Veränderung der Gesamtmission einer Kultureinrichtung, die Kulturvermittlung als Teil ihres »Kerngeschäfts« begreift und Verantwortung auch für Wirkungen von Kunst auf kulturelle Bildungsprozesse und gesellschaftliches Zusammenleben übernimmt.

Kulturvermittlung kann nicht nur dazu beitragen, Brücken zwischen künstlerisch-kulturellen Produktionen und unterschiedlichen Rezipientengruppen zu schaffen, sondern auch Veränderungsprozesse in Institutionen auszulösen, die eine Kultureinrichtung insgesamt anschlussfähiger an die Interessen unterschiedlicher Menschen und Gruppen machen. Indem neue Nutzer aktiv einbezogen werden in die Arbeit einer Einrichtung, erhält diese wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung ihrer Inhalte, ihre ästhetische Ausgestaltung, aber auch für Service, Vermittlungs- und Kommunikationswege. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis "ZukunftsGut" wird am 12. September 2018 erstmalig verliehen an eine Kultureinrichtung, der es aus Sicht der Fachjury am überzeugendsten gelingt, ihre Objekte, Artefakte oder Produktionen sowie ihre Institution so zu vermitteln und zu aktualisieren, dass diese für Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft, unterschiedlicher Generationen und kultureller Interessen anschlussfähig werden.

Weitere Informationen

ZukunftsGut-Ausschreibung und Bewerbungsformular https://www.commerzbank-stiftung.de/de/commerzbank_stiftung/foerderbereiche/kultur_1/zukunftsgut.html

Ausgabe 1/2018 von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates (zum PDF-Download)

Kategorie: 
Allgemeine News
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Region: Bundesweit | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Ausschreibungen |