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Projekt der Woche #179: Mein Weg ins Museum

07.08.2017

Das Thema des Projektes “Mein Weg ins Museum” des Landesmuseums Mainz ist die Verbindung von uns selbst zum Museum. Welchen Gegenstand würden wir in ein Museum bringen? Welcher Gegenstand dort passt zu ihm? Das alles hat mit uns, unserem bisherigen Leben, unserer Kultur zu tun. In digitalen “Porträts” über den Gegenstand stellen sich die Teilnehmer indirekt auch selbst vor und schildern die Wege ins Museum – ihren eigenen und den des Gegenstandes: So kam er zu mir, so sieht er aus, dort bewahre ich ihn zuhause auf, darum könnte er ins Museum kommen, dieser Gegenstand dort passt aus diesen Gründen zu ihm. So werden sie sich ihrer eigenen kulturellen Identität bewusst, erobern gleichzeitig das Museums als “dritten Ort”, den man später auch in Eigenregie aufsuchen kann und begegnen dort Zeugnissen anderer Kulturen. Dazu kommen der bewusste und kreative Umgang mit digitalen Medien sowie die Förderung ihrer sprachlichen und medialen Ausdrucksfähigkeit. So werden die jungen Menschen sich ihrer selbst gewiss, mutig und offen für den Umgang mit anderen.
„Mein Weg ins Museum“ ist ein Projekt der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesmuseum Mainz. Es wird gefördert vom Deutschen Museumsbund im Rahmen des Programms "Museum macht stark".

Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion hat Ellen Löchner, Leiterin Museumspädagogik, zum Projekt befragt.

Frau Löchner, wie ist die Idee für „Mein Weg ins Museum“ entstanden und an wen richtet sich das Projekt? 
Museen stehen allen Menschen offen, doch viele Jugendliche denken, das sei nichts für sie und habe nichts mit ihnen zu tun. Ich wollte deshalb von dem ausgehen, was mit ihnen zu tun hat, um ihr Interesse zu aktivieren und ihnen die Scheu zu nehmen. Meine Zielgruppe waren gemäß der Projektausschreibung „bildungsbenachteiligte Jugendliche“. Ich setze das in Anführungszeichen, weil ich im Bildungsforum Mainz auf junge Leute stieß, die für sich den Wert von Bildung längst erkannt haben, aufgeschlossen waren und bereit, Zeit zu investieren, um etwas Neues zu erfahren. Um im Bild zu bleiben: Den Wegweiser zum Museum hatten sie schon gefunden, wir haben nur ein Stück des Weges gemeinsam zurückgelegt.

Welche Projektetappen durchlaufen die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und welche Rolle spielen die mitgebrachten Gegenstände und ihre Schwesterobjekte im Projekt?
Einen Talisman oder ein Andenken hat fast jeder Mensch, einen Gegenstand, der dem Alltag Glanz und Bedeutung gibt. Diese Ebene der persönlichen Bedeutung wurde im Projekt auf einen Gegenstand aus dem Museum übertragen. Wichtig für diesen Vorgang war der Einsatz moderner Medien. Mit dem Handy und dem Tablet gehen Jugendliche ohnehin um, das fällt ihnen leicht und macht Spaß. Mit diesen Medien kann man Eindrücke direkt dokumentieren und immer wieder ergänzen und neu kombinieren. Die Medienpädagogin Dorle Voigt zeigte, welche Wirkung Perspektiven, Licht und andere gestalterische Mittel haben. Die mitgebrachten Gegenstände wurden genau betrachtet,  ins beste Licht gesetzt und fotografiert. Danach war den Teilnehmer*innen klar, was sie suchen wollten – gefunden wurde dann manchmal etwas ganz Anderes. Ihre Augen schweiften umher und wurden durch die Linse einer Kamera auf die Eigenheiten der Exponate gelenkt. Dann kam die Diskussion über die Eignung als Partnergegenstand, wobei die Projektteilnehmer sich mit Unterstützung vom Museumspädagogen über das Museum und einzelne Gegenstände informierten. Ein ganz wichtiger Einschub war die Arbeit mit der Provenienzforscherin. Wie Dinge ins Museum kommen, wem sie gehören, wie sie ihre ästhetische Wirkung entfalten und was mit ihnen geschehen könnte – diese Fragen hatten zunächst an den mitgebrachten Gegenständen Relevanz gewonnen und bekamen nun noch ein historischen Bezug, der die Teilnehmer sehr bewegte. Genauso wichtig war die Arbeit mit der Theaterpädagogin, das Ausprobieren von Sprache und Körperhaltung, das  Feilen am eigenen Auftritt. Eine Vorübung für diesen Auftritt war der Besuch in der Leibniz-Grundschule, wo die Projektteilnehmer*innen in den dritten und vierten Klassen das Projekt vorstellen und die Grundschüler*innen einladen durften. Alle Fäden liefen zusammen in den Führungen für die Kinder aus der Leibniz-Grundschule sowie für Freunde und die Familie am Abschlussfest. Obwohl zwischen beiden Führungen fünf Wochen lagen, wurde am Festtag noch viel Wissen aufgerufen, alle waren entspannt und hatten Freude an ihren Auftritten.

Welche Projektergebnisse gibt es und wo kann man diese sehen bzw. „erleben“?
Hier es möglich, Videos aus unserem Projekt anzusehen.

Wie ist das Feedback der Beteiligten – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulen und Besucher?
Alle Beteiligten waren mit dem Verlauf sehr zufrieden. Die Teilnehmer gaben an, persönlich, aber auch für ihren schulischen und beruflichen Lebensweg viel gelernt zu haben. Ganz wichtig ist natürlich, dass sie auch Spaß hatten. Sie würden Freunden die Teilnahme am Projekt empfehlen. Die Eltern waren natürlich stolz auf ihre Kinder und fühlten sich außerdem hier im Museum willkommen. Die erwachsenen Besucher waren erstaunt über die Bezüge, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen den eigenen Gegenständen und den Exponaten geknüpft hatten und fanden diese sehr anregend. Den Kindern gefiel es, von Kindern geführt zu werden; dabei erwähnten sie ausdrücklich auch das Können der Guides.

Natürlich haben wir auch Verbesserungspotenzial festgestellt: Die Grundschulkinder sollten kontinuierlich angesprochen und immer wieder ins Museum eingeladen werden. Die Workshops und Veranstaltungen sollten dichter beieinander liegen und nicht direkt am Schuljahresende. Wir hoffen, in der nächsten Förderrunde wieder berücksichtigt zu werden um dann an diesen Punkten nachzusteuern.

Was verändert sich auch aus Sicht des Museums durch dieses Projekt?
Das Projekt hat einen Gedanken aufgenommen, der mit „Sammlungen neu sichten“ von 2013 -2015 schon einmal Motor für ein Projekt war: Die Partizipation der Besucher, die mit ihren persönlichen und kulturellen Hintergründen anderen Besuchern neue Erkenntnisse ermöglichen. Ebenfalls aus diesem Gedanken heraus haben wir parallel das Format „Der Frische Blick“ gestartet. Dabei laden wir Personen aller Professionen ein, ihren persönlichen Blick auf ein Exponat mit einer kleinen Gruppe von Besuchern zu teilen. „Was hat das mit mir zu tun?“ ist die Frage, die wir als Museum im Besucher auslösen möchten. Das für uns Neue daran ist, nicht nur den Wert von Kultur und Bildung allgemein hochzuhalten, sondern die Relevanz für den einzelnen Besucher zu fokussieren. Kinder und Jugendliche spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind nicht nur die Besucher*innen von morgen sondern werden auch die Gesellschaft prägen, in welcher wir leben. Ich wünsche mir, dass möglichst viele von ihnen einen Museumsbesuch als selbstverständlich und anregend betrachten.

Außerdem haben wir erste Schritte ins digitale Zeitalter in der Ausstellung gemacht: QR-Codes wurden angebracht, einige unserer Exponate sind nun in Videos auf einem Blog zu sehen. Beispiele die zeigen, dass die Digitalisierung auch für die Museumsarbeit völlig neue Chancen bietet, um neben projektbezogenen Themen auch komplexe Inhalte zu vermitteln, die über die üblichen Touch Screens einer Dauerausstellung hinausgehen und vor allem den Besucher neugierig machen auf mehr. 

Weitere Informationen
Projekt-Blog
Videos
Landesmuseum Mainz 

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Einen Überblick über die bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Rheinland-Pfalz | Sparte: Museum | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Projekt der Woche |