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Projekt der Woche #181: KIMAKU! Kita macht Kunst

21.08.2017
 Kinder basteln ihre eigenen Rasseln: Das Gedicht "Die Lokomotive" von Julian Tuwim wird musikalisch begleitet., Foto: © Initiative Mehrsprachigkeit
Kinder basteln ihre eigenen Rasseln: Das Gedicht "Die Lokomotive" von Julian Tuwim wird musikalisch begleitet., Foto: © Initiative Mehrsprachigkeit

Beim Projekt „KIMAKU! Kita macht Kunst" der Initiative Mehrsprachigkeit e.V. erfahren Lübecker Vorschulkinder gemeinsam mit ihren Familien Freude an Literatur, Theater und Kunst. So wird ein wichtiger Grundstein für die frühkindliche kulturelle Bildung und den Schriftspracherwerb gelegt. In dem mehrsprachigen Projekt rund um Märchen, Geschichten und Gedichte malen die Kinder Bilder, bauen eigene Musikinstrumente und gestalten ein Theaterstück. Wichtiger Bestandteil ist der Besuch der Stadtbibliothek Lübeck, des Theaters am Tremser Teich und des Figurentheaters Lübeck. Das Projekt wurde initiiert von der Initiative Mehrsprachigkeit e.V. und wird in Kooperation mit der Kita Schaluppenweg und dem Familienzentrum BunteKuh seit September 2015 umgesetzt. Das Projekt „KIMAKU! Kita macht Kunst“ wird gefördert von der Bundesvereinigung Kulturelle Kin-der- und Jugendbildung e.V. (BKJ) im Rahmen des Förderprogramms "Künste öffnen Welten".  Die BKJ ist mit „Künste öffnen Wel-ten“ einer der Programmpartner des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Gesamtprogramms "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“.

Monika Sava, Künstlerin und Kunstpädagogin und 2. Vorsitzende der Initiative Mehrsprachigkeit wurde von „Kultur bildet.“-Redakteurin Ulrike Plüschke zum Projekt befragt.

Ulrike Plüschke: Frau Sava, wie ist die Idee für das KIMAKU! Kita macht Kunst entstanden und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Monika Sava: Die Idee entstand nach der Gründung des Vereins „Initiative Mehrsprachigkeit“. Zusammen mit Farsaneh Samadi, der Mitbegründerin und 1. Vorsitzenden des Vereins, wollten wir zwei Themen verbinden, die uns besonders am Herzen liegen: Sprache und Kunst.

Die Liebe zu Geschichten und Büchern zu wecken und ihr Ausdruck zu verleihen war unser Ziel – und zwar in jeder Sprache. Mit Hilfe eines künstlerisch-kreativen Ansatzes möchten wir diese lebendig machen – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Um zu zeigen, dass Sprache – jede Sprache – ein Geschenk ist und damit ein Signal der Wertschätzung auszusenden. Wir wollen die je eigene Familiensprache für alle erlebbar machen, neben den Kindern auch deren Familien, Freunde und Bekannte einbeziehen – als Gewinn für alle.

Sie sind Mitbegründerin der Initiative Mehrsprachigkeit – wie ist ihr eigener persönlicher Bezug zur Mehrsprachigkeit und welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit bei KIMAKU?
Es gibt einen Satz von Frank Harris, der meinen Bezug zur Sprache und zur Mehrsprachigkeit sehr gut trifft: „Jede neue Sprache ist wie ein neues Fenster, dass einen schönen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet“.

Ich komme aus Polen, spreche neben Polnisch noch Italienisch und Deutsch und lerne jeden Tag Neues hinzu. Es stellt eine unheimliche Bereicherung dar, bekannt geglaubtes mit neuen Augen zu sehen, die Dynamik und Schönheit der Sprachen kennenzulernen. Es ist spannend für mich, wie es sich auf den Alltag auswirkt, wenn zwei oder mehr Sprachen in der Familie gesprochen werden, welche Wechselwirkungen sich da ergeben.

Bei KIMAKU ist Mehrsprachigkeit die tragende Säule und verbindet internationale Kinderliteratur, Theater und Kunst miteinander. Viele der am Projekt beteiligten Kinder wachsen in bilingualen Familien auf – die mehrsprachige Auslegung des Projekts bringt sie in Kontakt mit ihrer eigenen (Sprach-)Kultur und weckt das interkulturelle Verständnis für andere Lebenswelten.  Alle Kinder erleben den Klang der verschiedenen Sprachen. Es macht die Kinder neugierig, wirkt sich positiv auf die eigene Identität und das Zusammenleben aus – öffnet neue Fenster und Ausblicke.

Wie sieht ein beispielhafter KIMAKU-Nachmittag aus?
Das hängt natürlich stark vom behandelten Buch oder Stück ab. So ist das polnische Gedicht „Die Lokomotive“ von Julian Tuwim lautmalerisch und rhythmisch und lädt zum spontanen Mitmachen ein: Wir bewegen uns wie Lokomotiven, zischen, dampfen und stampfen…
Dann basteln wir Instrumente, Trommeln und Rasseln, die dann ausprobiert werden und in eine musikalische Gestaltung des Gedichts münden.
Ganz anders bei Kinderbüchern wie „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheid oder „Pezzetino“ von Leo Lioni: Hier steht das mehrsprachige Erzähltheater im Vordergrund. Die Stücke werden anfangs durch von mir gestaltete Figuren und Bilder illustriert und in zwei Sprachen vorgespielt. Dann werden eigene Figuren und die Bühne gestaltet, damit wird geprobt und das Theaterstück wird dann von den Kindern aufgeführt.

Das ist die Klammer um alles: Die behandelte Geschichte, das Gedicht, Märchen oder Theaterstück wird in kindgerechter Weise immer zweisprachig angegangen – zum Beispiel auf Persisch oder Türkisch oder Russisch, verbunden mit einer deutschen Fassung.

Wie ist das Feedback der teilnehmenden Kinder und Eltern – mehrsprachig und nicht mehrsprachig?
Das Feedback ist rundweg positiv. Die Kinder reden begeistert und offen über ihre Muttersprache. Sie übersetzen gern hin und her, vergleichen Worte, deren Klang und Bedeutung. Alle sind mit viel Spaß bei der Sache und es zeigt sich, wie wichtig dieser Austausch ist. Die Kinder gewinnen gute Erfahrungen mit dieser Vielfalt, mögliche Berührungsängste mit Schrift und Sprache werden abgebaut.

Aber nicht ausschließlich die Kinder werden eingebunden – es ist uns gelungen, die Eltern, Großeltern, Verwandten und Bekannten mit ins Boot zu holen. Sprache und Kultur funktioniert nicht isoliert ausschließlich in der Kita, sondern braucht die lebendige Auseinandersetzung in der Familie, im Alltag. Durch Besuche beispielsweise der Stadtbibliothek oder des Theaters können die Kinder gemeinsam mit ihren Bezugspersonen Mehrsprachigkeit erleben und ohne Scheu auf Entdeckungsreisen gehen. So berichten uns die Eltern, dass zu Hause jetzt mehr vorgelesen werde, sich völlig neue Zugänge aufgetan haben und die Motivation, die verschiedenen kulturellen Angebote auch anzunehmen, stark zugenommen habe.

Wie ist das Feedback der beteiligten Kindertagesstätten, der Stadtbibliothek und des Theaters?
Ebenfalls sehr positiv. Das aktuelle „Kita macht Kunst“-Projekt endete im Juli diesen Jahres - alle Partner sind sehr zufrieden. Sie möchten die Zusammenarbeit fortführen und ein weiteres KIMAKU-Projekt gern finanziell unterstützen.

Die Stadtbibliothek hat sich als großartige Begleitung unserer Arbeit erwiesen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich auf vielfältigste Weise engagiert – durch Führungen, Spiele oder Lesungen für die Kinder und deren Angehörige. Die Kinder- und Jugendbücherei hat ein großes Angebot in verschiedenen Sprachen und war Ort einer KIMAKU-Ausstellung mit Kunstwerken der Kinder.

Danken möchten wir dem Familienzentrum BunteKuh und der Kita Schaluppenweg, in deren Räumen wir das Projekt durchgeführt haben, für die fruchtbare Zusammenarbeit. Den Eltern und Angehörigen der Kinder dort, die einen großen Anteil am Gelingen des Projektes hatten. Und nicht zuletzt dem Theater am Tremser Teich und dem Figurentheater Lübeck für die gelungenen Aufführungen.

Vielen Dank!

Weitere Informationen

Initiative Mehrsprachigkeit e.V.

Kita macht Kunst! (KiMaKu) – Projektseite

Interview mit Farsaneh Samadi, Mitbegründerin der Initiative Mehrsprachigkeit und Engagement-Botschafterin 2017

Mehrsprachiges Erzähltheater "Das Rübchen": Stolz zeigen die Kinder ihre kleinen Bühnenbilder, Foto: © Initiative Mehrsprachigkeit
Mehrsprachiges Erzähltheater "Das Rübchen": Stolz zeigen die Kinder ihre kleinen Bühnenbilder, Foto: © Initiative Mehrsprachigkeit
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Schleswig-Holstein | Sparte: Bildende Kunst, Interdisziplinär, Literatur/ Lesen, Theater | Thema: Altersübergreifend, Frühkindliche Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |