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Projekt der Woche #184: Theaterfest der Generationen

11.09.2017
Szene aus "Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor", Foto: (c) jsn-media-art
Szene aus "Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor", Foto: (c) jsn-media-art

Vom 21. bis 24. September richtet die Compagnie Freaks und Fremde im Dresdner Zentralwerk das "Theaterfest der Generationen" aus. Das Gelände des Zentralwerks, der alte Ballsaal und ein Theaterzelt werden inmitten des Wohnviertels Dresden-Pieschen zum Kommunikations- und Kunstzentrum für jung und alt. Theater, Musik und Geschichten schlagen Brücken zwischen den Generationen und laden zu Gesprächen und Perspektivwechseln ein.

Heiki Ikkola, künstlerischer Co-Leiter der Compagnie Freaks und Fremde wurde von Ulrike Plüschke von der "Kultur bildet."-Redaktion zum Projekt befragt.

Ulrike Plüschke: Herr Ikkola, Sie leiten gemeinsam mit Sabine Köhler die Theatergruppe Compagnie Freaks und Fremde. Könnten Sie bitte zunächst die Compagnie kurz vorstellen.
Heiki Ikkola: Seit nunmehr elf Jahren arbeiten wir als Compagnie von Dresden aus als künstlerisches Netzwerk von freischaffenden Theatermacherinnen und -machern, Musikern, Tänzerinnen und Tänzern, Filmern und Bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Unser „Heimatgenre“ ist die Puppenspielkunst, die uns einen breiten Erzählkosmos öffnet, wir arbeiten mit den verschiedensten Materialien, Objekten, Maskierungen und in einer sehr körperbetonten Spielweise. Wir weiten die Genregrenzen unserer Kunst und schätzen die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern anderer Genres. Unsere Kernthematik ist die Beschäftigung mit dem Fremden als Bedrohung und Chance. Internationale Kooperationen, die uns z.B. nach Australien, Indien, Iran, Kolumbien, Österreich, Pakistan, Russland, die Schweiz, Tschechien und Tunesien geführt haben, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. 2015 erhielten wir für unsere Arbeit den Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden.

Zum den wir Ihnen herzlich gratulieren! Außerdem haben Sie zur Umsetzung Ihres Projekts „Theaterfest der Generationen“, das vom 21.-24. September 2017 in Dresden stattfinden wird, den Sächsischen Förderpreis für Kunst und Demografie "KunstZeitAlter" erhalten. Der 2016 erstmals ausgelobte Preis widmet sich dem Thema des Alterns. Welche Rolle spielen die Themen Alter, Vergessen und Tod in Ihrer Theaterarbeit?
Unsere Beschäftigung mit dem "Fremden" führte uns zwangsläufig zu Fragen nach Tod und Altern, Themen, über die gemeinhin eher im Verborgenen nachgedacht und gesprochen wird, die uns jedoch alle betreffen. Es ist auch kein Zufall, dass wir mit Stücken wie "Ente, Tod und Tulpe" und "Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor" den Zugang über ein Kinderpublikum in die Familien und die Schulen gesucht haben. Mit Kindern lässt es sich oft unbefangener über Tabu-Themen reden, der Brückenschlag über die Generationen ist ein Stück leichter, wenn das Eis erstmal gebrochen ist. Wir haben die Vorstellungen dieser Inszenierungen oft als ganz natürlichen Kommunikationsimpuls zwischen Kindern, Eltern, Großeltern und Lehrern erlebt.

Zudem bieten narrative Spielformen, die Verwendung von Material, Objekten und Projektionen und die Musik einen sinnlichen und zugleich spielerischen leichten Zugang zu Themen, die uns oft schwer und problembeladen erscheinen.

Mit dem "Theaterfest der Generationen" wollen Sie verschiedenen Generationen einen Kommunikationsort bieten. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher und wie soll diese Begegnung der Generationen ermöglicht werden?
Für uns ist es nicht damit getan, unser Theaterzelt zu errichten und unsere Vorstellungen zu spielen. Im Vorfeld haben wir versucht, einen ganzen Stadtteil zu mobilisieren. Hier gibt es Seniorenheime, Schulen, Kitas, etliche Jugend- und Kulturzentren – kleine Subkulturen, die nebeneinander existieren, ohne voneinander Kenntnis zu nehmen, wir laden sie alle explizit ein, suchen im Vorfeld das Gespräch und haben unser Programm so gemischt, dass man automatisch auch dem Ungewohnten begegnet, wenn man wegen des Erwartbaren und Bekannten kommt. Die Atmosphäre des Festes ist auf Verweilen, Kommunikation und die Notwendigkeit gegenseitiger Aufmerksamkeit angelegt.
So erklärt sich, wie Grimms Märchen, Volkslieder im neuen Gewand, ein Jugendkult-Buch. Freakshow, Swing-Konzert und Geschichten über Altern und Tod in ein viertägiges Festivalprogramm passen.

Welche Rolle spielt für den Brückenschlag das Zentralwerk und die Umgebung des Dresdner Stadtteils Pieschen?
Das in diesem Jahr eröffnete Zentralwerk, eine wohl einzigartige Wohn- und Kunstgenossenschaft, will keine elitäre Insel inmitten eines sehr heterogenen Stadtviertels sein, das viele freie Räume, Platz für Familien und Senioren hat. Neben den hier stattfindenden Kunstveranstaltungen ist das Theaterfest der Generationen ein Angebot an die Bewohner dieses Viertels, ja auch der ganzen Stadt, die Möglichkeiten, dieses Ortes kennenzulernen und aktiv zu nutzen. Erinnerungskultur, Radio, Tanzkurse, Bildende Kunst, Musikstudios, Theateraufführungen, aber auch inklusive und altersübergreifende Kulturarbeit haben hier ihr Zuhause  …

Vielen Dank und viel Erfolg beim Theaterfest der Generationen!

Weitere Informationen

"Theaterfest der Generationen"

Blog der Cie. Freaks und Fremde freaksundfremde.blogspot.de

Zentralwerk www.zentralwerk.de

Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden

Sächsischer Förderpreis für Kunst und Demografie „KunstZeitAlter“

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Einen Überblick über die bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

 

Szene aus "Ente, Tod und Tulpe", Foto: (c) jsn-media-art
Szene aus "Ente, Tod und Tulpe", Foto: (c) jsn-media-art
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Sachsen | Sparte: Interdisziplinär, Soziokultur, Theater | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |